.JPG)
Hallo Leute, es ist unfassbar, selbst die kleinste Sekunde Zeit ist für mein Rudel nicht mehr vorhanden. Die Zeit rennt eben weg. Dazu war alles bzw. ist auf einmal alles auch noch total durcheinander - bis auf meine so hovitypische Ruhe und mein ewiges Hungergefühl. Hier kenne ich keinen Spaß - Essen gehört schließlich zu einem ordentlichen Hundeleben und dafür sorgt meine Frauchen trotz deren überfüllten Terminkalender mit Besucherinnen aus Übersee ("ooooooooh wott e swiet dogg" - O-Ton der canadischen Besucherinnen , einem Riesenfamilientreffen und dazu noch einer herausgerutschten Bandscheibe (sie jammert und geht wie ein
Hutzelweib - meint mein Herrchen).
Ihr ahnt es, was sage ich doch immer wieder: "Mein Rudel ist mein ein und alles."
Dann kommen da so zwei blonde - eigentlich sehr nette - Ladies aus Canada und setzen sich einfach an unseren Tisch und sprechen und reden und Frauchen und Herrchen lachen und reden und ich -------------nix verstehen, iche arme Hund!
Frauchen hört schmerzverzerrt zu und ab und zu ruft sie laut: Auuuuuuuuuuuuuuhjeooooohje! Das ist dann mal wieder für mich eine vertraute Sprache, ansonsten gurgeln sie tief im Rachen und sprechen Laute aus, die ich vorher bisher nieeeeeeeee vernommen hatte.
Aber, die Menschen untereinander können sich wohl auf so eine neue Art und Weise auch verständigen und mein Rudel: "Beide Ladies müssen ja die schöne Landschaften, die Schlösser und Burgen unserer Heimat ja auch noch gezeigt bekommen. "Wie meeed plänns".
Ich - als Hund - darf mich gar nicht aufregen, denn vorher kriege ich einen extra langen Auslaufspaziergang - natürlich mit allem was da zugehört: Dicke, kleine und bekannte Kumpels - dann zwischendurch Oskar der schöne Airedale - komme ich ein anderes Mal drauf zu sprechen - nur soviel: Man nennt ihn
Dauerläufer . Wohnt über mir, dem wieder einmal das Herrchen abhanden gekommen ist (oder war es umgekehrt?) - egal, danach kriege ich den allzeit guten Hundetrostkuchen, mir fällt dann der Abschied nicht so schwer und danach fahren alle mit den Blondinen aus Canada weg.
So jedenfalls war es die letze Woche - fast jeden Tag. Und - vorher - die Tage vorher meine ich: Da hatten Sie Hausputz angesagt und das bei einem so klasse Hundewetter. Mein Frauchen hat mir mehrfach verboten anschließend mit den nassen Pfoten wieder ins Haus zu kommen, hab´ich überhört, danach war die Hölle los. Sie hat mir einen Vortrag darüber gehalten, welchen Weg ich bei Regenwetter ins Haus nehmen soll: Lauf hinten rum, los Aiko, lauf hinten rum, das Herrchen wartet hinten! Ja ist es denn die Möglichkeit: Ich habe jedesmal eine verschlossene Kellertüre gefunden, kein Durchgang möglich und daher habe ich postwendend immer wieder versucht vorne rein zu laufen. Egal, ich habe mich besonnen und einfach vor der Haustüre neben einem seit drei Tagen dort stehenden - wohl sehr armen alten Menschen (er riecht allerdings nicht wie Mensch) hingelegt. Dieser arme alte und wohl auch begnügsame Mensch hat einen ganz zerlumpten Anzug an und trägt einen Strohhut und hat Schuhe aus Holz an den Füssen. Er kann sich offensichtlich nicht mehr bewegen und bleibt - ich finde das saaaaaaaaaaagenhaft immer auf der gleichen Stelle stehn und schaut recht freundlich in Richtung Tor - tolle Vorstellung, die er da gibt.
Mein Frauchen hat ihn wohl eingeladen oder heißt das ausgeladen - ich weiß jedenfalls nur, dass Sie zu Herrchen sagte: "Hol´ bitte unseren Herbstschmuck raus! Also war er vorher irgendwie doch reingekommen - oder? Danach kam Herrchen mit diesem Herrn von unten vor die Haustüre und seither ist er ebenfalls unser Gast. Die beiden Damen von Übersee fanden ihn sssssooooo swiet! Ich vergaß Euch zu sagen, dass mir Frauchen natürlich erklärte: "Aiko, das ist eine Vogelscheuche, die steht jetzt hier. Du brauchst keine Angst davor zu haben." Dazu nahm sie jede Menge Laub - streute es auf diesen armen Mann und holte dazu einen häßlichen Besen und stellte ihn gleich daneben. "Hollowien" rief die eine der beiden Blonden aus Canada und dann auch noch: "Se sähm äs wie hähf"!
Na, ja, Menschen gleichen sich halt im Alter überall auf der Welt an. Sie verlieren ihren Geschmack, ihre Zähne, ihre Beweglichkeit, ihre normalen schönen Kleider und dieser alte arme Mensch vor der Türe ist wohl auch so einer, dem das passierte.
Mir egal, seit letzten Donnerstag sind die zwei Blondinen wieder weg.
Aber: Gleich fünf Stunden später fuhren wir dann gemeinsam im Sprittfresser - diesmal zum Bahnhof: "Wir holen dort die Hilde ab", meinte mein Herrchen und machte den Motor aus.
Oh mein Gott - wieder ein neuer Geruch und dann wieder eine neue Sprache und dann dies: "Asu gruuuuß ischt üüüre nöeue Hund".
Verzeiht mir bitte, es ist schwer Fremd(e)sprachen zu beherrschen und dann nicht wenigsten einmal diese Menschen anspringen zu dürfen, um sie genau mal zu beschnüffeln und zu befragen, was sie denn so von mir meinen. Aber nett und freundlich sein und dann auch den armen alten Mann draussen ein wenig trösten und auch noch alles aufzuschreiben - das ist schon zeitraubend. Ganz abgesehen davon, dass Frauchen seit über einer Woche tatsächlich wohl irgendeine Scheibe heraus hat, irgendwo im unteren Teil ihres Rückens, so hat sie es der Hilde deutlich erklärt. Hilde meinte: "Desch is joooo schlimmmm". Gebscht dooo keeeene Doktor bei üsch?
Leider konnte Frauchen nicht zum Arzt selber gehen (sie konnte tatsächlich keinen Schritt mehr vor den anderen setzen ) und der nette Doktor musste dann leider Gottes in der Mittagspause vorbeikommen. Nach der Spritze und den Tabletten (helfen wohl irgendwie) kröscht sie zwar immer noch, aber sie lacht wieder und hat auch die ganze Zeit bis heute ihre logistische super "Seitssiehingtuuuur" durchgehalten. Mir ist alles recht - nur wenn die Hilde spricht, dann müssen alle - also nicht nur ich, immer ganz kräftig lachen. Mei inglisch en mei Dialekt isch ebbe nix gut.