Mir ging es in den letzten Tagen gar nicht soooooo gut oder - besser ausgedrückt: "Ich muss jetzt wohl mit einer Macke leben".
Zugegeben - das Leben - insbesondere mein Leben - ist schön. Alles um mich herum ist ein stabiles Gerüst - besonders durch gegenseitige Zuneigung zu meinen Menschen. Ich kenne ganz viele nette vierpfotige Kumpels, erblicke eine stets gefüllte Futterbox, nenne einen derzeit sehr merkwürdig aussehenden - aber dennoch herrlichen Garten mein "eigen". Ebenso besitze ich eine strotzende Gesundheit - anders ausgedrückt: "Ich bin einfach ein Glückshund".
Aber warum geht es mir denn schlecht - warum dieser jammervolle Blick?
Das kam so: Spät - so kurz vor Mitternacht - wenn mein Rudel sich aufmacht in die Federn zu steigen, mache ich mich mit Herrchen immer noch auf zu einem letzten Kontrollgang. Er führt uns sowohl um das Haus und danach vor das Tor bis runter zur Straße ins Dorf. Hier habe ich meistens Gelegenheit rasch alles das zu erledigen, was mein Mensch von mir erwartet und auch meistens nötig war.
Nun gibt es aber immer wieder Situationen, die mich magisch anlocken - sprich ich reagiere blitzschnell auf Geräusche, Gerüsche, Gemurmel und gerne stürze ich mich dann - nur meinem eigenen Instinkt folgend - in eine abenteuerliche Geschichte.
Nun - zugegeben - es ist die Wahrheit, mir war das letzte Abenteuer ganz sicher auch eine Erfahrung und Herrchen meinte - es wäre sogar für mich eine Lehre gewesen!!
Egal, aber warum ich plötzlich gerade vor dem Tor - schon abgeleint - blitzschnell nach links um die Ecke rannte - dort den Duft der Rehe aufnahm und mit voller Power und meiner Superschnüffelnase folgend durch eine große Zaunlücke auf die Weide hoch bis zum Hügel rannte.
Hier begriff ich sofort: He - Aiko - das macht keinen Sinn!
Ein Hovi und dann Rehdüften hinterherschnüffeln, wo es doch gar nicht zu meinen Aufgaben gehört und ich bisher noch nie derartigen Verlockungen erlegen war.
Hierfür gibt es nur eine Erklärung: Fremde Geräusche und das Fluchtverhalten der zwei Rehe aus Nachbar´s Garten heraus, zufällig zeitgleich mit unserem Eintreffen vorm Gartentor.
Wir kamen uns zuvor noch nie in die "Quere". Ich kann denen auch stundenlang - ohne darauf zu reagieren - von unserer Einfahrt aus - beim Äsen zusehen.
Nun im Dunkeln - ich ganz allein auf mich gestellt - musste ja die Rückkehr vom Hügel bewerkstelligen und das tat ich sofort - ein wenig "kopflos" mit vollem Tempo - ohne Gedanken daran, dass es Stacheldraht war - an dem meine freiwillige Rückkehr ja eventl. heftig enden könnte - und so war es dann ja auch - leider.
Jaaaaaaauuuuul - ein kleiner aber schmerzhaft klingender Laut, ich stoppte - blieb sitzen und siehe da Herrchen zeigte mir hilfsbereit genau die Stelle, wo wir sonst immer bequem durchsteigen können.
Nicht vergessen Leute - es war Mitternacht und kein Mond am Himmel - ich ziemlich verdaddert - nun ja - wie immer - nun ist alles im grünen Bereich - dachte ich....... Denkste!!!!
Nächsten Morgen: Frauchen sah es sofort: Eine dicke - geschwollene Stelle unter meinem rechten Augen (was hatte ich doch für ein Glück!!)- dort ein vier Zentimeter recht tiefer Riss und noch eine kleinere Stelle darunter. In der Nacht habe ich eigentlich nur festgeschlafen und auch wohl von diesem Ausreißerabenteuer geträumt.
Nur jetzt ist mir klar, warum es da - ja da - an der Stelle so komisch juckte und ich auch einen gewissen Druck verspürte, da habe ich wohl auch begriffen, warum mir sofort dieser Trichterhut wieder verpasst wurde - zwei Tage und Nächte lang - heute war Schluss damit.
Es ist noch immer gut gegangen, so auch diese Erfahrung - die Wunde heilt - ich werde wohl eine kleine Macke übrig behalten, denn wie sagt Frauchen immer: "Ein wenig Schwund ist immer" - wenn es nun an meinem tollen Aussehen ein klitzekleinwenig zu bemängeln gäbe, wen stört es?????
Wichtig ist natürlich auch die Lehre, die ich ganz sicher daraus gezogen habe.












