Oft - so hört man - lehnen viele auch wohl gemeinte Einladungen aus der Familie bzw. auch aus der Gemeinde, den dort etablierten sozialen Einrichtungen kategorisch ab. Sie wollen ihren eigenen Frieden und damit einfach Ruhe haben. Warum?
Eigentlich wollte ich mir darüber keine tieferen Gedanken machen und so versuche ich dieses an sich tiefmenschliche - ebenso aber auch gesellschaftliche Thema - wenigstens mit ein paar Worten aufzugreifen. Das heißt doch, dass es mich sehr beschäftigt. Je älter meine Leinenhalterin wird, desto öfter kann ich es auch spüren, wie es sie drängt, hier mal zu mindestens ein wenig mehr nach den Gründen zu suchen.
Hat es denn wirklich immer nur damit zu tun, dass die Kinder weggezogen sind, dass es auch für die gerade in diesen hektischen Vorweihnachtswochen und Tagen - keinen Raum bzw. keine Zeit für das Miteinander gibt. Fehlt vielleicht altersbedingt die körperliche Kraft und die Motivation wieder wie früher auch selber ein paar Plätzchen zu backen, die Nachbarin zu einer Tasse Kaffee einzuladen?
Es fällt schwer, sich - in einem noch recht rüstigen Zustand vorzustellen, wie schwer es einem alten Menschen auch in der eigenen gewohnten Umgebung fallen mag, Vorbereitungen für das Fest der Feste zu treffen. Es beginnt schon mit der eingeschränkten Bewegungsfähigkeit - der Einkauf, die schweren Taschen oder auch den Einkaufswagen zu schieben. Es kann der Überblick verloren gehen, die Auslagen und Regale quellen über und neue Produkte locken die Käufer an. Die eigene Entschlussfähigkeit dies oder das zu kaufen, aus diesem Überangebot wird immer mehr zurückgedrängt.
Ständiges Suchen und Dinge nicht mehr an ihrem gewohnten Platz im Supermarkt zu finden vor lauter Schnäppchen und Saisonartikeln. Oh je, denn massenweise werden die Auslagen neu befüllt oder steht alles, was das sogn. Herz begehrt…. direkt auch noch vor der Kasse, klar - alles eben, was dazu gehört oder gehören soll!!! Kaufen - bitte kaufen…..es ist doch Weihnachten!
Wie dick und schwer müssen die im Briefkasten zu findenden Wochenblätter noch mit zusätzlicher Reklame und Beilagen gefüllt werden? Die Austräger schleppen und laufen von Tür zu Tür - ganz zu schweigen von der Kritik vieler Menschen, wehe, wenn das kostenlose Blatt nicht pünktlich eingeworfen wird…..schließlich geht es um das beste und billigste Angebot…..oder doch nur um das alles wieder rasch von dort in die blaue Tonne zu befördern……
| Die bekamen anschließend noch ihre "Schokoladenecke"….. |
Es ist ein Wahnsinn - wie rasant wir (ich betone ausdrücklich nicht alle) die Achtung vor dem eigentlichen Sinn des Festes Weihnachten - dem Fest der Liebe und Besinnlichkeit aufgeben haben. Seitdem meine Tippse die Werbung zum 4. Dezember - Barbaratag - das erste Mal im TV gesehen hat - ich meine die, mit der besonderes Kirsche…..- seitdem kann sie nur noch mit dem Kopf schütteln - so wie ich, wenn mich etwas in den Ohren juckt. Da hatte doch schon wieder ein pfiffiger Mensch eine neue Marketingidee.
Ich denke mir, vielleicht bin ich zu streng und fange hier und heute auch noch langatmig zu lamentieren und das, nach einigen Wochen, in denen sich ganz viel hier in der Familie und ums Haus verändert hat und ich daher nur ganz wenig Zeit für Euch in der weiten Bloggerwelt hatte.
Aber: Wir - d.h. meine Tippse und mein Herrchen - wir sind noch fit genug - wir fühlen uns in diesem Jahr unendlich reich beschenkt - wir sind gesund, wir sind nicht einsam, wir haben uns und das Geschenk des Lebens - schon für die nächsten Jahre - liegt mit wachen Augen auf unserem Sofa - ganz entspannt - selbst wenn ich laut belle und mich - wie erst gestern geschehe - ganz dicht an sein Köpfchen wage, um mal eben rasch zu schnuppern….und die spärlichen Haare zu berühren….
Weihnachten bin ich zu Haus….in meinem "alten Revier" mit der gesamten Familie, mit meiner neuen Hundefreundin Leia und meinen beiden - so wunderbaren Enkelkumpel.
Dass meine Tippse dabei dennoch nachdenklich wird, weil auch sie die Zeit und des Lauf des Lebens nicht aufhalten kann, weil es zuviel Elend und bittere Not auf der Welt gibt, weil es Hunger bei allem Überfluss gibt, weil es laut und hektisch in der stillsten Zeit des Jahres ist, weil sich "Christmas" als XXL-Faktor so gut und so teuer wie möglich verkauft lässt, weil es fast schon eine Generation gibt, die den Sinn des Festes selber kaum noch erzählen können.
Vielleicht auch, weil wir - und das ist leider immer häufiger zu spüren - vergessen, wie es damals war, als wir alle noch enger zusammen rückten, die geheimnisvollen Düfte und Geräusche aus dem Wohnzimmer rochen und jedes Jahr wieder - beim Öffnen des Raumes mit dem erleuchteten Weihnachtsbaum - eines sich für uns offenbarte: Es ist etwas geschehen und das muss etwas ganz Einmaliges gewesen sein, so dass es die Menschen gerade an diesem Abend immer wieder weltweit nach Hause zieht.
| Der Sonnenaufgang heute am Tag vor dem vierten Advent |
Doch bitte, vergessen wir nicht den einsamen, den gebrechlichen, den alten Nachbarn, helfen wir und das mit offenen Augen, stellen wir Fragen und lächeln wir uns einander an, damit vielleicht auch dieser eine Mensch das Gefühl spürt: Weihnachten bin ich - hier - zu Haus.
Euch allen ein frohes und gemütliches Weihnachtsfest im Kreise Eurer Lieben. Eine gute Zeit wünscht Aiko - die Monsterbacke und sein Rudel.