Revisiting 2016. Ein Jahr mit vielen Trips nach Berlin, alles Kurzreisen für nur einen Tag. Ein Rückblick in Fotos.
My Lumix and me. A love-hate-relationship, denn das Teil ist schwer. Trotzdem macht die Kamera Fotos auf so eine Art und Weise wie es gut zu mir paßt. Ich habe sie immer noch. Mittlerweile seit 16 Jahren.
Eberswalderstraße. In Berlin eine interessante Ecke. All the doom and gloom. Abstract Art im Foto.
Schon lange nicht mehr da: Das Café Godot auf der Kastanienallee. Damals meine Hauptanlaufstelle für eine Pause. Hier blättere ich durch meine allererste Ausgabe von The Weekender.
Laternen sind oft interessante Motive. Sie haben so eine gewisse unverhohlene Häßlichkeit, vor allem die im Osten. Das hier ist in den Hackischen Höfen irgendwo ganz hinten.
Tucholskystraße. Seit ich sie kenne, mag ich sie. Das Hotel in dem ich 2025 zwei mal war und im März wieder sein werde, liegt nicht weit von dieser Ecke. Die Gegend wächst mir irgendwie ans Herz.
Eine Ecke im Café Buchhandlung. Das Café hat zwar Bücher, ist aber keine Buchhandlung. Es heißt nur so, weil mal eine Buchhandlung dort war. Die kenne ich tatsächlich auch noch. 1999 war ich da mal und kam ins Gespräch mit der netten Besitzerin und ließ mir von ihr erzählen, wie es war in der DDR aufzuwachsen.
Schon immer mein bevorzugtes Fotomotiv: Spiegelungen. Was eigentlich ärgerlich ist, nämlich daß man nicht durch Schaufenster ins Innere fotografieren kann, wird hier zu Kunstform. Als Collagenfan liebe ich es besonders, wenn man nicht erkennen kann, was was eigentlich ist. Ich erinnere mich sogar daran, daß ich schon als Kind alle Spiegelwelten total interessant fand. Ich sah mir oft das Zimmer in der Wohnung meiner Eltern im Spiegel an und war extrem fasziniert.
Ich staune, wie lange es das Amodo schon gibt. Möglicherweise war ich da 2016 zum ersten Mal. Leider ist es nicht mehr so interessant wie damals. Aber äußerlich schon. Objects and stories. Gute Idee.
Auf der Linienstraße wieder interessante Spiegelungen.
Im „Dada“. Ein typischer Berlintrip beinhaltete immer mit dem Sichten des Gratismaterials, Schreiben und Diktaphone im Café. Daran hat sich nichts geändert.
Im Winskiez: eines der letzten unrenovierten Häuser, wenig später wurde es saniert.
Fand dieses exzentrische Buch eines Franzosen, der sich auf die Suche nach Spuren von Syd Barrett machte und dann Leute fotografierte, die ihn nicht kannten. Oder wie im Falle von Mike nicht mal von ihm gehört hatten. Hufelandstraße.
Kunst im Künstlerbedarfsladen.
Auch Poster habe ich immer wieder fotografiert. Gestern kam mir die Idee, wenn man sie größtenteils von Hinweisen auf ihre Zugehörigkeit zu Events und Ausstellungen befreit, sind sie als Bilder fast noch interessanter. Vielleicht mache ich tatsächlich daraus eine Serie.
D. ist mittlerweile nur noch erschöpft und genervt. Bei mir geht es gerade einigermaßen, aber schon wieder naht ein Wochenende, wo ich das Haus nicht verlassen werde. Es ist viel zu glatt draußen und ich müßte eigentlich zu meiner Hausärztin, verschiebe das aber mal wieder.
Es ist windig und es wird immer kälter. Ohne daß die Sonne kommt. Eine Woche lang schon haben wir keine Sonne.
Den ganzen Tag saß ich an einem neuen Musikstück. Ich dachte, das könnte in einem Café laufen und mir fiel dazu Japan ein. Hörte in endlose japanische Songs rein, bis ich einen fand, der paßte. Es war ein Song von Maki Asakawa, die mich auch äußerlich total faszinierte, immer in schwarz, immer mit Zigarette. Es gibt zig ähnliche Fotos von ihr, alle inspirierend. Sie klingt wie die japanische Nico.
Maki Asakawa, geboren am 27.1.42. Ich bin um zwei Tage zu spät. Es wäre sonst ihr Geburtstag gewesen. Sie könnte noch leben, aber sie wurde dann am 17.1.2010 in einem Hotelzimmer in Nagoya tot aufgefunden (unter mysteriösen Umständen, wie es hieß).
Als ich ihre Version von House of the rising sun auschecken will, lande ich bei dem Wendersfilm „Perfect days“, den ich mir eigentlich schon lange mal ansehen wollte. Lesen über den Film brachte mich dann auf Yasujiro Ozu über dessen Cinematografie es eine interessante Doku auf YT gibt.
Am Ende ist das Stück fertig und ich bin sehr zufrieden.
Hatte einen positiven Traum vom Unterwegssein und mich mit Fremden im Zug anfreunden und mich ganz leicht und sicher fühlen. Und in diesem Traum trug ich seltsamerweise grün. Ich hatte verschiedene Grüntöne kombiniert und dachte: Wow, das ist wirklich eine Farbe, die dir total steht.
(Und in Wirklichkeit ist das die letzte Farbe, die ich tragen würde, außer es wäre oliv oder graugrün.)
***
Dienstag: Ramen
Mittwoch: Udon (koreanische)
An beiden Tagen: Zwiebelschalen vom Wind verweht.
Dienstag zum Abendessen ein wenig eingelegtes Senfgrün aus dem blauen Döschen. Mittwoch den Rest davon in der Soße verbraucht. Dienstagabend jede Menge Möhren mit der Mandoline zerkleinert und eingefroren. (In letzter Zeit zu oft was wegwerfen müssen, was ich absolut hasse: zu schrumplige Möhren, überschüssige Staudensellerie, verdorbenen Schafskäse.)
Mein neues wunderbares Brettchen. Ich freue mich über Kleinigkeiten in der Küche zuweilen wie eine Blöde. Endlich die richtigen Topflappen, das richtige Brettchen. Das auf der Straße gefundene Besteck als Lieblingsteile.
Auf meiner Türschwelle abgelegt: Beauty von Andy Warhol. Stehend im Nachmittagslicht die ersten Seiten gelesen, sofort highly amused. Stelle fest, ich liebe die Optik des Buches, dieses klare rot-weiß, gute Serie.
Kaffee. Die Temperatur des Kessels scheint mir falsch. Die Mühen des Mahlens. Die Mühlen des Mahens. Das Mähen der Mühlen. Der Duft. Der feinporige Schaum. Der kleine, geliebte, japanische Porzellanfilter. Langsame Handgriffe, das Licht in der Küche. Frosty ground.
Me, myself and I. Geruhsame Zeit. Dankbarkeit für Kleinigkeiten.
Der kleine geheime Haushaltskult älterer Frauen: glutenfreie Kekse auf handgetöpfertem Tellerchen, Leinenservietten, skandinavische Gläser, die Anrichte mit Kräuterfirnis eingeölt. Haarpflege von Sam McKnight, der Wohlgeruch steige auf. Regenbögen auf dem Schreibtisch durch Lichteinfall auf geschliffene Gläser.
Das Schlichte, das Schöne muss gefeiert werden. Winziges Parfümpröbchen im weißen Schächelchen. Overflowing.
Ich träumte von grünem Nagellack. Der von Chanel heißt CAVALIER SEUL. Das setzt doch Bilder frei. (Wahrsagerin legt die erste Karte im Lenormand, der Reiter. Aha, da kommt er.)
Donnerstag: Soba
Abends etwas Schafskäse und eine Scheibe Brot.
Päckchen für das Baby.
Lesezeit genommen.
Haare behandelt, gewaschen, weich, schön.
Immer noch einen Hauch von „Overflowing“ am Körper, der verblassende Geruch ist besser als der frische.
Habe in beiden Büchern gelesen, sehr schön war das. Am Tisch sind meine Augen weniger angestrengt als im Bett.
Essen eingeteilt in kleinen Schüsselchen, für alles gibt es Lieblingsschüsseln. Sah mir dann Dokus über das Nightingale House in Melbourne an. Ganz meine Kragenweite.
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Das japanische Wort für Fotografie besteht aus zwei Zeichen Sha und Shin. Reflektion und Wahrheit. Noboyoshi Araki sagt, daß Shin auch Gott bedeuten kann, was es interessant macht. Was soll man von N.A. eigentlich halten? Seine Bilder haben diese misogyne Erotik, sind aber andererseits auch sehr schön. Und er hatte diese Negative, die er „ins Wetter gelegt“ hat. Faszinierend, dennoch finde ich ihn widerlich, auch von seinem Gebaren her.
Ein gutes Video über Fotografie.
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Egisto Ott (ein Typ, der gerade wegen Spionage vor Gericht steht, wer bitte nennt sein Kind Egisto, nur ein Buchstabendreher und er ist Egoist, noch ein Dreher und sein Name ist Egoist Tot. Das ist ziemlich merksam.
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Von meinen heute frisch lackierten Nägeln ist bei einem ein winziges Eckchen abgesprungen, direkt nach 1, 2 Stunden. Macht mich leicht wahnsinnig.
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In Berlin fiel mir auf, wieviele Leute noch Rad fahren. Minus 8 Grad und eisiger Wind und manche tragen noch nicht mal einen Mundschutz.
Außerdem auch noch einige Leute ohne Mützen (wir auch) und ohne Handschuhe.
Nur die Wolt und Lieferando Fahrer*innen sind ganz dick eingemummelt mit ihren Lenkerhandschuhen. Jedesmal geben sie einem Stich ins Herz. Die totale Ausbeuterei.
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Prenzlauer Allee. Ein Mann (nicht mehr jung) mit Baby im Tragetuch. Mir fiel auf, daß beide Arme neben dem Baby herunter baumelten, obwohl es doch irgendwie logisch gewesen wäre, sie wärmend und schützend um das Baby zu legen. Er schien wirklich gar keinen Bezug zu dem Kind im Beutel zu haben und trug das wie einen vorgeschnallten Rucksack durch die Straßen.
D. sah das auch sofort. Er imitierte seine Frau: „Nun nimm mir det ma ab und jeh raus….“. Wir lachten. Vom Baby sah man nur ein hellblaues spitzes Mützchen, das stand hoch.
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Auf der Pappelallee: Zwei Frauen gehen an mir vorbei, sie lachen und unterhalten sich fröhlich auf Russisch. Sie sind noch recht jung, Anfang 20 vielleicht und ihre Stimmen klingen hell und fröhlich, als würden sie über etwas total Angenehmes reden, frühlingssonnenhaft klingen sie in all der Winterstarre und ich denke wieder: Was ist Russisch doch für eine schöne Sprache.
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Der späte Winternachmittag. Fahren durch die Wälder und Felder Brandenburgs und später Mecklenburgs, alles irgendwie seltsam magisch und auch schwermütig in der starren Kälte und der fehlenden Sonne. Immer sucht man wie verzweifelt nach Wärme und alles, was irgendwie Wärme ausstrahlt ist willkommen.
Fehlende Farben. Das ist auch irgendwie schön. Schlicht, Beruhigend. Die dunklen Wälder, die leicht bereiften Felder, Eis auf Scheiben, die aggressive Schönheit von Eisblumen.
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Und zu Orange könnte ich auch noch was schreiben. Das Hotelzimmer, das Patti erwähnt war in orange gehalten. Ich erinnerte mich gestern an Orange als ich ein Poster sah, nur aus den Augenwinkeln, das hing in dem Einrichtungsladen auf der Schönhauser Allee. Einfach ein oranger Kreis und darunter stand L’Orange. Ich dachte: Das will ich.
Und ich dachte: Es ist schwer, einen Mensch nicht gern zu haben, dessen Lieblingsfarbe orange ist. Die Farbe ist tricky, weil schwer zu kombinieren. Aber sie ist warm und wundervoll.
Auch hier: Traces of orange. Mark Hollis als Style Ikone der 80er. No shame at all.
Die Wintertage füllen sich mit langsamen Lesestunden.
Das „Buch Mechthild“ ist wirklich ausgezeichnet, sprachlich sehr interessant, thematisch auch und es bleibt alles auch schön vage, nur vermutet, zart verwoben mit der Gegenwart der Autorin. Sehr angenehm.
Bin auch sehr begeistert von dem Buch „Beauty“ von Warhol. Herrlich zu lesen. Ich schlug dann die letzte Seite auf und schrieb aus den Titeln, die auf andere Penguin Bücher aus der Serie hinweisen, einen Songtext.
So was macht mir immer viel Spaß.
Las das Kapitel im Patti Smith Buch wie sie mit Fred zusammen ist, dieses geniale alte Hotel, wo ganze Flure leerstehen, so daß sie dort ungehindert herum streifen kann und Klarinette üben.
Dann diese seltsam beunruhigende Story, wie sie ausgerechnet auf ihrem honeymoon trip in schwere Turbulenzen geraten, schließlich mit vielen Stunden Verspätung landen und kein freies Hotel finden, bis auf eines, das Hotel Nirvana heißt. Wie so eine Vorwegnahme auf schmerzliche Verluste, die sie bald erleben sollte. Später dann platzt ihnen dann auch noch ein Reifen.
Das Buch ist insgesamt gut, aber nicht so fesselnd wie „Just kids“ und es gibt auch Enttäuschungen. Erstmal etwas, das mir schon oft bei Patti Smith aufgefallen ist: Sie lebt in einem Männeruniversum. Alle Künstler, die sie bewundert sind Männer. Sie hat sogar mit Diego Rivera angefangen und erwähnt Frida Kahlo nur in einem Nebensatz. Autorinnen scheinen in ihrem Leben keine Rolle zu spielen, auch Musikerinnen nicht. Für mich persönlich ist das befremdlich.
Dann ihre Verehrung für ihren Mann. Sie betete förmlich den Boden an, auf dem er ging. Ich verstehe ja, daß er ihre große Liebe war, aber einfach alles was er tat und sagte war großartig in ihren Augen. Das ist so vehement übertrieben, daß es einen irgendwann zum Widerstand reizt. Auch wieder befremdlich.
Drittens fehlt mir schon wieder (wie bei „Just kids“) eine Aufarbeitung ihrer Adoptionsstory. Das ist so ein interessanter Teil ihrer Lebensgeschichte, so prägend und es stellen sie so viele Fragen. Aber wieder wird alles in nur einem Absatz abgearbeitet und auch wenn das natürlich sehr privat bleiben darf, hätte ich mir doch gewünscht, daß sie das Ganze etwas mehr thematisiert.
Würde ich das Buch empfehlen? Bedingt. Aber ich habe es auch noch nicht ganz durch.
Der Winter fordert einem wirklich alles ab. Diese endlose Kälte. Wir sitzen in unserem sturmumtosten Haus und sehen zu, wie der Schnee fällt.
Ich sitze weiter an Collagen. Das ist wenigstens was.
Man ist wirklich jedesmal froh, wenn man wieder im Warmen ist.
Das Town Mouse Café wollte ich schon ganz lange mal aufsuchen, aber einmal war es zu voll, einmal gab’s keinen Parkplatz und öfters war man dann doch woanders. Heute aber war es so weit.
Wir wurden nicht enttäuscht, der Kaffee ist hervorragend, wenn auch preislich etwas weiter oben. Lohnt sich aber.
Ansonsten japanisch-skandinavisches schlichtes Design, sehr heller Laden. Benannt nach dem allerliebsten kleinen Buch von Beatrix Potter. Freundliche Atmosphäre, Laptops sind ungerne gesehen, was ich immer gerne sehe.
Da es draußen zu kalt zum fotografieren war, nahm ich mir die Kleinigkeiten im Café vor.
Vom Town Mouse ist es nicht weit zum St. George’s Buchladen, der ausschließlich englische Bücher hat. Wunderbarer Laden, es riecht gut, es läuft wunderschöne Klaviermusik, es gibt neues und preloved nebeneinander, außerdem Bücher für 1 Euro. Ich war auf „Schlachtmaterial“ aus und erstand „Snowleg“, das vielleicht sogar ganz gut ist. Es fängt schon mit zwei Lieblingswörtern an: Blackbird und Snow.
Dann wollte ich unbedingt mal die Jute Bäckerei ausprobieren, die nur glutenfreies Brot hat. Alles Backwerk hat Namen (wie Helge oder Alexa) und ist wirklich lecker, wenn auch anders, aber eben alles bio, vegan, glutenfrei, reine Handarbeit. Nette Atmosphäre, leider durch ein Gerüst vollkommen im Dusteren (deswegen sitzt es sich dort im Café vielleicht gerade nicht so gut).
Von dort zwei mal um die Ecke liegt der kleine Laden Honoki, der außer Lebensmittel noch andere japanische Lieblinge hat von der Bentobox bis zur Ramenschüssel. Unglaublich freundliche Verkäuferin. Ich fragte, ob es stimmt, daß die meisten japanischen Häuser keine Heizung haben. Es stimmt. Unvorstellbar. Trotz Heiztisch. Die modernen Wohnungen haben aber alle Fußbodenheizung.
Aber es gibt tatsächlich zig YT Videos darüber wie Japaner durch den Winter kommen.
Das Schöne an japanischen Verpackungen ist, man kann nichts lesen und hat von daher die reine Ästhetik.
Mein Lieblingssnack ist ein kleines Schüsselchen Ume Chips, süßsaurer und eine Möhre in Scheiben geschnitten mit etwas Olivenöl und Zitronenpfeffer.
Unweit des Ladens befindet sich die Butterecke, seit mehr als 25 Jahren eines meiner Lieblingscafés in Berlin. Dort aß ich die beste Kürbissuppe meines Lebens. Gottvoll, besonders bei der Kälte.
Da ist wieder ein weißes Pferd. Zeichen über Zeichen.
Song: Let’s just kiss and say goodbye, ich hörte das nach langem mal wieder und ertappte mich bei der Frage: Was ist denn aus denen geworden? (Erinnere mich daß ich als Kind fasziniert zuhörte, erste Englischkenntnisse anwendend)
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Im Anbetracht, der Tatsache, daß unsere Nichte nur noch 10 Tage hat bis sie Mutter wird, fragte ich D., wie er wenn er über einen Namen entscheiden müßte, heute wählen würde. Und er antwortete, wie ich es ahnte, er würde den gleichen Namen wieder wählen.
Ich: Mal angenommen, das ginge nicht, zweites Kind und so.
Er: Frieda. Ja, Frieda gefällt mir, schöner alter Name, jeder kennt ihn, aber er ist nicht so häufig und außerdem Frida Kahlo.
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Diese kleinen perforierten Ecken in Taschenkalendern.
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Persé-phone (phone englisch ausgesprochen)
Purse-phone.
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Es müßte das Wort „entordnet“ geben.
Verordnet, geordnet, ungeordnet, leider nicht entordnet. (Die Dinge haben sich mal wieder wie von selbst entordnet. Ganz ohne mein Zutun.) FML: Meisterin der Entordnung. (Stets in der Hoffnung, daß Ordnung sich irgendwie von selbst einstellt.) (Der geheimnisvolle Magnetismus.)
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Nochmal Bella Freud. Die Frage nach den ersten Eindrücken von Mode. In meinem Fall: Das Kind einer Schneiderin. Einer verhinderten Modedesignerin. Noch mehr verhinderter Innenarchitektin (anderes Thema).
Modemagazine und Schnittmusterhefte waren meine ersten Zeitschriften. Modebewußtsein war immer da.
Meine erste Erinnerung an Mode kann ich nicht wirklich benennen. Vielleicht die angenähten weißen Blüten aus Spitze an das Hochzeitskleid meiner Tante. (Aus einem seltsamen Grunde habe ich eine leichte Aversion gegen Hochzeitskleider und Ballkleider usw..)
Ich glaube, ich fand schon immer Mäntel toll. Noch mehr Umhänge und Ponchos und all the like. (Miss Marple) Ich glaube auch, daß ich schon immer einen Faible für fremdländische Moden hatte, also etwa Kimonos, indigene Kleidung usw.. Und dann das weiße wunderbare Kleid mit der eingewebten blauen Borte von Marpessa Dawn in „Orfeu Negro“. Überhaupt ist mein erster Eindruck von Schönheit und Erotik bestimmt von schwarzen Menschen, dunklen Typen, Asiat*innen. Seltsamerweise nur bis ich etwa 18 war, dann switchte das total, wie schon beinah schicksalshaft, als kurz nacheinander zwei Ginger in mein Leben kamen und mich faszinierten. Sie blieben die einzigen Rothaarigen, die ich mochte. Als Kind konnte ich blond und rothaarig nicht ausstehen. Kinder, die helle Augenbraun und Wimpern hatten, fand ich einfach häßlich. Später faszinierte mich das: papierweiße Haut, Sommersprossen, feuerrotes Schamhaar- aufregend irgendwie. Erste Style Ikone? Susan, also Madonna aus Desperately seeking Susan. Und Siouxsie. Und vielleicht auch das Aschenbrödel.
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Seltsamster Traum: Ich bin eine Angestellte im Weißen Haus und muß Bilder bearbeiten für eine Homepage. Eine Reihe amerikanischer Bürger ist gerade ausgezeichnet worden, u.a. ein Schwarzer (es sind in erster Linie Feuerwehrleute, Polizisten, Sozialarbeiter). Es gibt eine ganze Serie von Bildern, von denen soll ich das Beste auswählen für die Homepage.
Wie ich sie mir vergrößert ansehe, entdecke ich, daß die Ausgezeichneten vor einem blauen Vorhang stehen, der in sich eingewebt amerikanische Embleme enthält, Stars and Stripes und den Weißkopfseeadler. Und Zufall (?!?!) der Schwarze steht genau so vor dem Weißkopfsehadler, daß es so aussieht, als würde der ihn angreifen.
Ich blicke auf andere Fotos und dann fällt mir auf, daß jemand bei jedem Fototermin alle Schwarzen so platziert hat, daß der Adler vom Vorhang so aussieht als würde er sich auf ihn stürzen.
*** Ich nehme ein Fußbad und lasse dabei Spotify laufen. Es läuft so dies und das, nichts davon spricht mich an, dann ein Song, feine Töne, alles melancholisch, Sanftheit und eine ferne, wunderbare Stimme, nicht richtig durchdringend, aber da, herzzerreißend schön irgendwie. Ich frage mich wer das ist, was das ist. Ich denke: Wer auch immer das gemacht hat, hat genau mein Musikverständnis. Da meine Füße in der Waschschüssel stehen, kann ich nicht gucken. Später suche ich die Liste durch.
Welches Stück war das? Und dann fasse ich es nicht: Es war Mark Hollis. Solo. Der Song heißt The gift und ist auch ein Geschenk. Ich höre es nochmal. Ich spiele es D. vor und er meinte, es könnte auch von mir sein.
Wenn man es weiß, hört man daß es Mark Hollis ist, aber ich wußte bisher nicht, wie er sich solo anhört. Erst neulich tauchte er auf, nun ist er schon wieder da. Kein Zufall, denke ich und mache ihn spontan zum Schutzgeist für meine Musik.
Das für das Cover ausgesuchte Foto erzählt einem auch schon was über ihn. Dieses tragikomische Osterlamm. So special, so schräg.
Später dann habe ich ein Audible Guthaben und finde aber nichts passendes. Ich gebe die Suche auf und stöbere Mark Hollis nach. Ich stelle fest, jemand hat ein Buch über ihn geschrieben. Ich checke es aus und siehe da, ich kann es als Hörbuch erwerben. Fantastisch.
Mark Hollis und ich haben was gemeinsam: wir hatten als Kinder eine unglaubliche Faszination für Carmina Burana von Carl Orff.
Als er anfing intensiv Musik zu hören, war er 11. Das war mein Geburtsjahr. 1966 war das Jahr als wirklich gute Musik begann. Sein großer Bruder war ein intensiver Musikhörer und Plattennerd. Er gab Mark die besten Sachen: John Coltrane, Miles Davis, Howling Wolf. Der Gedanke, man ist 14 und der Bruder reicht einem „In the court of the Crimson King“. Ich war 18, als ich sie das erste Mal hörte. Solche Alben verändern einen.
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Fand eine Airbnb Unterkunft, die aussieht wie eine, die ich mal auf dem NTS Kanal gesehen habe.
Natürlich nicht vollkommen ähnlich (die eine in Berlin, die andere in London), aber ähnliches Feeling vermutlich. Reizvoll. (Aber unpraktisch für mich)
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Der Gedanke nachts unsichtbar zu sein. Sich dann einschleichen in schöne Orte, wunderbare Läden, Cafés, Museen, Galerien etc. und dort zu übernachten ohne das es jemand sieht. Das schöne Doppelbett bei Heal’s auf der Tottenham Court Rd und ich lege mich hinein, drehe die Schaufensterbeleuchtung aus und schlafe selig und unsichtbar…
Ich frage mich, was dort gerade aktuell im Schaufenster ist.
(Müßte ich nicht eigentlich nach London zurück? Längst dort sein? Ich wünschte, ich könnte behaupten jemand warte dort auf mich.)
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Wunderbarer Bill Nighy und wunderbare Kelly McDonald im Film „The girl in the Café“. Die beiden sind hilarious in every way.
– Der Pyjama von „Marks and Sparks“ (bis oben hin zugeknöpft)
– „Oh God, I can’t believe I have told you my Grandfather’s name already, I will shut up for the rest of the meal“.
– “The more I will scrub, the more horror will be seen from underneath”
– “There were at least two kinds of peas in that soup, one of them the ones you normally would not put in a soup.”
Und dann die Aussicht in der ersten Einstellung. I want that flat. Now.
Mal abgesehen davon ist der Film absolut wundervoll, sehr ungewöhnlich, sehr stark, sehr rührend. 10 out of 10. (und ganz zufällig gefunden, als ich was ganz anderes gesucht habe)
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Ich hatte keine Ahnung, daß der 🤓 einen Schlauen darstellen soll. Für mich war das ein Typ, der sich zum Affen macht.
Am interessantesten sind immer die aus Resten. Man greift einfach in den Papiersack neben sich, holt raus und verwendet. Meistens sind das Reste von den zwei Collagenbüchern, an denen ich gerade arbeite, deswegen ist das Material so brauchbar.
Für die Textcollage hier habe ich meine Sammlung von Textmaterial zusätzlich noch zu Rate gezogen. Sonst würde man dafür Wochen brauchen. Aber gerade die gefallen mir besonders gut, diese Textcollagen. Hier kommen sogar sieben verschiedene Sprachen zusammen.
Eine andere Serie, die ich mal vor 2,3 Jahren angefangen habe ist die, daß ich Bilder aus Fashion Magazines nehme und sie mit Fragementen aus Romanen bestücke, so daß die Bilder sich auf interessante Weise verändern.
Um noch eins drauf zu setzen, habe ich das dann noch zusätzlich vertont. Ich finde es sehr reizvoll, wie sich die Collage dadurch noch mal verändert.
Vielleicht mache ich das als Serie? Wäre eine Überlegung…
Im Buchladen. Das erste, das ich sehe sind ausgewählte Penguinbände, alle rot/weiß. „Beauty“ by Andy Warhol. „We should fall in love with our eyes closed“ steht hinten drauf. Ja, stimmt, denke ich, ich erinnere mich an den Satz. So true.
Das zweite Buch das mir auffällt heißt: „Am Meerschwein übt das Kind den Tod“. Der Titel ist so ungewöhnlich und amüsiert mich. (Sofort fällt mir der widerliche C.W. ein, der als Kind Meerschweinchen von hoch oben fallen ließ, um zu erfahren, ob die das überleben. Mich hat das erbost, ich dachte mit so einem will ich nix zu tun haben. C.W. ist es auch, dem ich es zu verdanken habe, daß ich (gerade 5 Jahre alt) zum ersten Mal erlebe, wie ein Kind zu anderen, in dem Fall zu mir und seinem kleinen Bruder, offen und eindeutig böswillig ist, vorsätzlich gemein. Das hat sich mir so tief eingeprägt, daß ich es nie mehr vergessen habe.)
Es gibt einen neuen Knausgard, diesmal keinen Roman, ich lese rein, langweile mich aber. Dann fällt mir ins Auge: „Das Buch Mechthild“ und hoffe sofort, daß damit Mechthild von Magdeburg gemeint ist. Sie ist gemeint. Ich lese die ersten drei Seiten und bin hin und weg. Fantastischer Stil. Hatte nicht vor, ein Buch zu kaufen, kaufe es doch. Lese mich zuhause darin sofort fest. Wenn nur meine Augenschmerzen nicht wären.
Das helle Licht heute tat mir richtig weh, ich bekam sofort Kopfschmerzen. Lesen ist schwierig. Und dennoch muss ich immer Bücher kaufen. Vielleicht weil das seit meiner Kindheit so ein Glück ist, so ein Belohnungsding. Immer gab es für allen Kummer ein Buch. Und für alles Schöne auch.
Im Café. Spirit Coffee Machine. Der Kaffee bio und fair-trade, zumindestens zu 78% und der Rest ist nicht ausgewiesen bio, aber von kleinen Anbaubetrieben.
Hinten durch blickt man auf einen kleinen Garten (ganz niedlich) mit Möwen aus Keramik und einer Statue aus Hühnergöttern.
Ich blicke auf ein interessantes Bild, das dort hängt und mich anspricht und greife von der Fensterbank einen Bildband, der Rostocks unbekannte Künstler*innen vorstellt. Fast alles dort Gezeigte gefällt mir. Auf einem Bild hält ein Schulkind eine Bombe im Arm statt der Zuckertüte und ich denke: Oh ja, der böse Osten. Militärdrill in der Schule usw..
Der Kaffee wird in roten Tassen serviert und ist sehr stark. Nicht ganz hundert Prozent mein Fall, zugegeben, aber vermutlich liegt es an der Sorte.
Es gibt einen kleinen lockigen schafsartigen Hund namens Trudi, der reihum zu jedem Gast geht und beachtet werden will.
An einem alten Schrank hängt unten ein Schild mit schwarzem Filzer auf braunem Papier geschrieben: Sublim. Jedenfalls denke ich, daß das da steht, denn der letzte Buchstabe ist nur halb zu sehen. Ich rätsle die ganze Zeit herum, was das Schild zu bedeuten hat. Warum hängt es da so weit unten an dem Schrank. Ich will es fotografieren, aber eine Gruppe von Studenten sitzt im Weg.
Zuhause arbeite ich weiter an einem angefangenen Stück. Persephone soll es heißen nach einer Zeile bei Louise Glück: „Persephone is having sex in hell.“
Ich baue sofort Andys „We should fall in love with our eyes closed.” ein. Und etwas, das ich bei Roland Barthes gelesen habe: „Language is a skin. I have words instead of fingers.“
Ich verwende zig Framente von diversen Dingen, vokalen Spuren, die Frank mir geschickt hat, meine eigenen, Gitarren und ähnliches. Mittlerweile gleichen meine Musikstücke mehr und mehr Collagen.
Mich interessiert gerade Mette Frederiksen. Ob die sich zuweilen wünscht, sie wäre nicht ausgerechnet jetzt an der Macht und müßte sich nicht mit dem orangenen Ekelpaket rumschlagen?
Skorpionfrau aus Aalborg. Sie sieht aus wie aus „Borgen“ entsprungen. (Die Serie wäre jetzt gerade wegen den Grönlandbezuges wieder hochaktuell und interessant)
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Bei Maggie Nelson der Satz: Ich versuchte geliebt zu werden.
Ich fragte mich sofort, wie.
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Today was the day, die heran fahrenden Züge lösten blaue zischende Blitze an der gefrorenen Oberleitung aus. Ich liebe es. (-13°, nur 3 Grad wärmer als in Minsk)
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Die interessanteste Stimme der 80er hatte Mark Hollis. Blöd nur, daß ich wirklich kein „Talk Talk“ Fan bin, aber diese Stimme ist genial. Dear Capricorn, ich wußte gar nicht, daß er tot ist. 64 ist ein gutes Alter zum Sterben. Das wäre bei mir in 5 Jahren. Die schaff ich noch irgendwie.
(Ich hörte nach, was ich an seinem Todestag gemacht habe, 25.2.19, aber meine Einträge sind relativ langweilig und haben noch nicht mal mit Musik zu tun. Immerhin träumte ich von einem sehr interessanten Buch, das Joan Didion geschrieben haben sollte.)
Im Web:
„Bevor du zwei Noten spielst, lerne erst einmal eine Note zu spielen – und spiele keine Note, bevor du nicht einen guten Grund dafür hast.“ Dieses Statement über seine musikalische Philosophie findet sich oft zitiert. Manches was Mark Hollis in den wenigen Interviews, die er gab, sagte, klingt hochgestochen, teilweise auch überheblich: weil er schon in den frühen achtziger Jahren, als seine Band Talk Talk reüssierte, von musikalischen Einflüssen wie John Coltrane und Schostakowitsch sprach, was sich allerdings im Synthiepop seiner Band noch nicht einmal in Spurenelementen nachweisen ließ.“
Der New Musical Express schrieb damals despektierlich, Mark Hollis klinge „wie ein Mann, der mit dem Mund voller Klebstoff gähnt.“
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Aus der Reihe Biographien von Musiker*innen, deren Musik ich nicht höre: Diesmal Debbie Harry. Nachdem ich sie neulich bei Bella Freud sah, dachte ich: Wäre ja mal interessant, denn das NYC der 70er, 80er interessiert mich total.
Leider ein ziemlicher Klogriff das Buch. Oberflächlich könnte man sagen: grottenöde, ohne jedes Feingefühl geschrieben (ein Buch bei dem man sich einen Ghostwriter beinah gewünscht hätte), eine endlose Aneinanderreihung von „dann war dies, dann war das“. Noch schlimmer aber das, was darunter schimmert und an jeder Ecke durchbricht. Anscheinend so eine psychologische Sache von „Ich verdrehe schlimme, grenzverletzende, misogyne Dinge zu einem Haha, was war das komisch“-Narrativ.
Nicht nur, daß sie sich endlos in allem über ihren Expartner Chris Stein definiert (und zwar so massiv, daß es wirklich nervt, was mir im Interview schon auffiel), es werden auch allerhandlei wirklich grauenhafte Erlebnisse als kleine witzige Episödchen abgehandelt und nicht mal ansatzweise reflektiert wie etwa die Tatsache, dass sie jemanden besuchte, von dem dann brutal aufs Bett geworfen und sexuell bedrängt wurde, was sie toll fand, bis sie entdeckte, daß jemand versteckt das Ganze filmte. Kein Wort darüber wie traumatisierend das war. Oder eine Szene, wo sie tatsächlich vergewaltigt wurde, als jemand ihre Wohnung überfiel während ihr Freund gefesselt im selben Raum war. Das schlimmste daran waren die gestohlenen Instrumente. Auch andere sexuelle Übergriffe werden oft so beschrieben, als habe sie das eher amüsiert, etwa im Sinne von: „Der und der hat mir seinen Schwanz gezeigt, aber ich hätte gerne lieber den Schwanz von dem anderen gesehen.“
Je länger ich dem Hörbuch zuhöre, desto mehr widert mich das an. Und fast tut sie mir auch leid. Vermutlich so ein Generationending. Während junge Frauen heute über Me Too die Dinge beim Namen nennen, was nicht einvernehmlichen Sex angeht, hat ihr Jahrgang vermutlich noch so ein „ach, war halb so schlimm“ verinnerlicht.
Über ihre eigenen Gefühle erfährt man nur sehr bedingt was. Selten habe ich eine Biographie mit so wenig Tiefgang erlebt. Aber mir gefällt auch ihre Musik nicht, ihre Art zu singen und wie sie sich gibt, alles irgendwie künstlich, uninspiriert und uninspirierend.
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Ich tippe bei google translate auf der kyrillischen Tastatur rum, einfach aus dem Spaß heraus, ob zufällig getippte Zeichen ein Wort ergeben. Mein Ergebnis: щиаксуж. Sieht beeindruckend aus. Schiaksusch. Ich google das und es gibt dazu nicht einen einzigen Eintrag.
Ich beschließe sofort, daß das die Leere ist, in die man treten kann, die einen aus dem Internet heraus führt. Zauberwort!
Als ich das dann als Prompt eingeben, erhalte ich dieses Bild:
Oh! OH!!!!
Jetzt weißt du, wer der Führer aus dem Internet ist, denke ich.
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Unnützes Wissen: Der 2. Juli ist der Tag der Udon Nudeln.
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Ich möchte mal betonen, wie sehr ich es liebe, wie die Franzosen vidéo sagen. Diese Betonung ist irgendwie glücklich machend. Wieso eigentlich?
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Jedesmal wenn ich ChatGPT benutze (was nicht so oft vorkommt), bin ich erstaunt wie gut das Ding ist. Alles total übersichtlich und für mich gut einordnebar. Aber in unserer Gesellschaft ist es Pflicht KI zu hassen. Dennoch bin ich immer wieder begeistert von den Möglichkeiten, so sehr ich das auch ablehnen möchte.
Und es amüsierte mich, als ich fragte, was Lily of Luna sei.
Hier das Fazit:
Lily of Luna ist keine große, bekannte Band im klassischen Sinne, sondern ein kleines, vielleicht künstlerisches Musikprojekt, das über Bandcamp eigene Songs und Alben veröffentlicht und eine eigene ästhetische, lyrische Welt um ihren Namen aufgebaut hat. Die Angaben zur Gründung 1991 und „revived in 2025“ klingen eher künstlerisch-poetisch als historisch bestätigt – es gibt keine breiteren Presse- oder Wikipedia-Einträge zu ihnen.
Parfums, die zu Songtiteln inspirieren. Seltsam das. Aber wahr. Mich fand ein Duft namens „Bois Datchaï“ und das ergab in meinem Kopf dann „Datscha in the forest“. Sofort notierte ich mir das als guten Titel.
Und da ich gerade die (ungewöhnlich schlechte, aber dazu kommen wir noch) Biographie von Debbie Harry lese, stieß ich auf eine Passage in der sie Nico mit Carrie Smith vergleicht, die gleiche ruhige Bühnenpräsenz, wie sie meinte.
In diesem Video sieht Carrie Smith aus wie eine schwarze White Buffalo Calf Woman in diesem wunderbar außergewöhnlichen Kleid.
Dann sah ich eine Doku, in der ein Native American meinte White Buffalo Calf Woman wäre vergleichbar mit Jesus. Sehr inspirierend.
Mein auf Collagen geeichtes Gehirn verspann das alles zu einem seltsamen Kokon und daraus entstand dann der Song.
„Sie schneidet sich die Haare“, das kommt in „Chelsea girls“ vor.
Der Taschenspiegel von Chanel, darüber habe ich in ihrer Biographie gelesen: „…in der einen Hand eine Zigarette, in der anderen einen Taschenspiegel von Chanel.“
„Alle haben nichts zu lauschen“ stammt aus einem herrlichen Nonsense Text, den meine Tochter geschrieben hat, als sie 15 war.
Das herrliche Bild von der Straßenbahnhaltestelle im obersten Stockwerk stammt von Peter Handke.
Ich gebe zu, ich liebe es, wenn meine lyrics leicht (bis mittelschwer) kryptisch sind. Immer habe ich die Vorstellung, jemand könnte sich die Mühe machen und dem nachstöbern. Oder sich freuen, wenn es in meinem Blog erklärt wird. Aber das ist natürlich Unsinn.
Aber ich lebe jeden Tag nach dem Motto: Fake it til you make it.
Oder vielleicht auch mit so einem Shaker-schen Gedanken: Auch wenn es niemand sieht, man macht es sorgfältig, weil Gott es sieht.