Sonntag, 17. Juli 2022

Nur ein Brief war es...

Habt vielen Dank für Eure lieben Kommentare und eure Erfahrungen, die ihr so vielfältig mit mir geteilt habt, das zeigt mir, wir sind nicht allein mit unseren Sorgen. Über jeden einzelnen Kommentar habe ich mich bei meinem vorigen Post noch viel mehr als sonst gefreut. Im Moment genieße ich einfach die Zeit und das Leben und schiebe den Gedanken, dass uns jetzt sechs Jahre Bangen bevorstehen, einfach gaaaaanz weit nach hinten. Wir haben uns und uns wurde noch weitere Zeit zusammen geschenkt und das ist im Moment einfach das Wichtigste und das Schönste. 😊

Nun aber wieder zu meiner Überschrift: Der Brief hat mich mal wieder völlig aus der Bahn geworfen. Am Donnerstag hatten wir auf Arbeit einen sehr dicken Brief mit dabei, der als Einschreiben mit Rückschein versandt worden ist. Der Rückschein klebte noch auf dem Brief, sicher ist er der Post durchgerutscht. Auf jeden Fall zeigte meine Kollegin mir den Brief und drückte ihn mir in die Hand. Ich habe erst gar nicht verstanden, warum ich den Rückschein ausfüllen sollte, das macht nämlich diejenige, die die Postfrau gerade greifen kann...

Nun also ich. Na gut, dann mache ich das eben und dann habe ich erst gesehen, dass der Brief an mich adressiert war. Persönlich! Auweia, das konnten nur die Ergebnisse der ersten Einsendeaufgabe des Fernstudiums sein... ...und so war es! Nachdem ich das realisiert hatte, kamen mir sofort die Tränen und ich habe mich nicht getraut, den Brief aufzumachen. Was, wenn es schon wieder vorbei ist? Denn das Bestehen der Einsendeaufgabe berechtigt erst, an der Präsenzphase teilzunehmen. Und das Bestehen der dortigen Klausur berechtigt erst dazu, im nächsten Semester weiterzumachen... 

Meine beiden Kolleginnen haben mir Mut zugesprochen und gesagt, ich habe es sowieso geschafft und ich soll den Brief nun endlich aufmachen. Mit zittrigen Fingern und total verheult habe ich es dann doch irgendwie geschafft, den Brief aufzumachen, das Rausholen des Schreibens hat noch einmal gedauert und dann stand dort: Vollbefriedigend! Hurra! Ich darf nach Leipzig!!! Und dann flossen die Tränen, Tränen der Freude, der Erleichterung, es fiel alles der letzten Monate von mir ab. Ich konnte mich gar nicht weider einkriegen, selbst abends zu Hause kamen mir immer wieder die Tränen. Ich bin so, so froh!!!

(Ich muss mich grad mal sammeln, ich träne gerade wieder...) Ich kann es noch immer nicht so recht glauben, dass ich das wirklich geschafft habe, habe ich doch viele Jahre um Handels- und Gesellschaftsrecht einen großen Bogen gemacht. Das ist das, was mir in meinem Beruf gar nicht liegt und was ich - ehrlich gesagt - auch nicht so mag. Aber zu diesem Thema war die erste Einsendeaufgabe zu schreiben und das war für mich sozusagen ein Kaltstart.

Und soooo schlecht war ich gar nicht, einzig in dem Teilbereich, mit dem ich so sehr gehadert habe, nämlich die Änderung der Firma der KG, habe ich die wenigsten Punkte bekommen. Gut, das ist Ansporn für mich, bei der nächsten Aufgabe mich mit dem Teil, der mich Nerven kostet, noch mehr zu beschäftigen.

Ich habe mir dann auch mal die Punkteschlüssel angesehen und meiner Kollegin froh erzählt, dass ich Glück hatte, denn zwei Punkte weniger und ich hätte eine vier gehabt. Sie meinte dann aber nur, nein, zwei Punkte mehr und ich hätte eine zwei gehabt und das stimmt, sie hatte recht.

Aber egal, ob zwei oder drei oder vier: Ich bin froh, dass ich die Aufgabe geschafft habe und bin - ehrlich gesagt - ein wenig stolz auf mich. Als ich das Fernstudium begonnen habe, wussten wir zwar, dass Steffen in's Krankenhaus muss, aber wir wussten nicht, was uns danach noch erwartet und auch wie sich die Situation sonst so entwickelt, war da noch nicht absehbar. 

Nun werde ich mich mit den verbleibenden beiden Kurseinheiten beschäftigen, ich habe noch gut zwei Monate, um diese durchzuarbeiten und heute abend werde ich dann mal das Hotel für Leipzig buchen!

Samstag, 9. Juli 2022

Zuversicht

Zuversicht ist ein weibliches Substantiv und bedeutet laut Google "festes Vertrauen (auf etwas zu erwartendes Gutes)". Ja, ich glaube, damit hat google wohl recht, ich merke auch, wie ich so langsam wieder Zuversicht bekomme. Festes Vertrauen darauf (manchmal wackelt es noch ein wenig), dass sich alles zum Guten wendet und dass ich Ende des Jahres lächelnd auf diese verrückte Zeit zurückblicke und sagen kann "yeah, wieder eine Hürde gemeistert".

Steffen lag fünf Wochen im Krankenhaus, seit zwei Wochen ist er nun wieder zu Hause und hat vor fünf Tagen die Mitteilung erhalten, dass der Krebs vollständig weg ist und er als geheilt gilt. Während ich diese Zeiten schreibe, träne ich gerade wieder (diese Wortschöpfung hat Katharina erfunden und ich finde es viel schöner, als "ich weine", es hat sowas... ...Weiches, Romantisches). Die Zeit, die hinter uns lag, war keine einfache Zeit, zum Glück hatte ich aber meine Kinder, besonders die beiden zu Hause, die mir ganz viel geholfen und mich unterstützt haben, wo sie nur konnten.

Ich habe heute gerade Fotos vom Handy runtergeladen, was ich lange nicht mehr gemacht hatte, und habe mir dabei noch einmal die Fotos der vergangenen Wochen angesehen, es kommt mir schon alles wieder so unwirklich und so ewig lange her vor, dabei bestimmte diese Situation vor noch nicht einmal drei Wochen unseren Alltag immens. Aber das ist das Gute daran, dass Schlechtes so schnell in den Hintergrund tritt und dann ganz schnell immer mehr verblasst. So geht es mir zumindest.

Oh, wenn ich daran denke,  wie ich mich zerteilt habe und wie ich versucht habe, alles irgendwie hinzukriegen, wie sehr ich mich danach gesehnt habe, mal in den Arm genommen zu werden (nicht von meinen Kindern, die haben das getan) und zu hören, "hey, alles wird gut, ich helfe dir". Wie sehr war ich auf mich allein gestellt, wie traurig war ich, wie sehr habe ich versucht, meinen Alltag zu meistern... Wie sehr hat mich Vieles enttäuscht, wie sehr habe ich mich aber auch über Dinge, Gesten, Worte, E-Mails, leere Wäschekörbe, was auch immer gefreut, womit ich nicht gerechnet hatte.

Viel Unterstützung hatte ich auch auf Arbeit von drei meiner Kolleginnen. Sie hatten immer ein offenes Ohr für mich, haben mich in dieser scheiß Zeit (die ja schon seit Mitte März geht), so genommen, wie ich zu der Zeit war, haben mir die Augen geöffnet, mich immer wieder auf den richtigen Weg geschickt, haben mir zugehört, haben mich auch mal in den Arm genommen, haben mir gesagt, es wird wieder, waren einfach - neben der Arbeit und auch im Feierabend - für mich da.

Irgendwann war es dann für mich an der Zeit, einfach mal Danke zu sagen. In Wernigerode gibt es ein Geschäft Herzenssachen. Dort werden Dinge verkauft, die Menschen mit Behinderungen herstellen, in den Läden können sie auch tagsüber kreative Dinge herstellen. Ich mag diesen Laden sehr und habe mir dort schon einige getöpferte Dinge gekauft. Ein Engel ziert schon seit einigen Jahren unseren Weihnachtsbaum und auch auf meinem Schreibtisch steht ein Engel, den ich dort gekauft habe. Immer, wenn mein Blick auf meinen herrlich perfekten unperfekten Engel fällt, muss ich schmunzeln und die Zuversicht kommt wieder.

Ich habe immer mal wieder im dem Laden geschaut und irgendwann hatte ich dann drei Engel zusammen. Zu Hause habe ich dann noch Karten gemacht, auch da habe ich mich für Engel entschieden, sind sie es doch.

Wie das so ist, wenn sowieso schon wenig Zeit ist, ging das ein oder andere schief, zuerst hatte ich die kleinere Datei genommen, dann das falsche Garn, dann hatte ich einen Block gestickt, den ich gar nicht wollte, dann hatte ich vergessen, nach der einen Karte, die Maschine wieder auf den Anfang zu bringen... Aaahhh. Ich wollte schon aufgeben, aber ich habe mich durchgebissen und dann waren meine drei Engelskarten fertig.

Am nächsten Morgen bin ich dann ganz pünktlich auf Arbeit gefahren und habe meine Engel auf den Schreibtischen meiner drei Kolleginnen verteilt. Jede hat den Engel bekommen, der - meiner Meinung nach - zu ihr passt.

Meine Kollegin, mit der ich das Büro teile, hat ihren Engel gleich entdeckt, nachdem sie gekommen ist, eine zweite hat ihren ein wenig später entdeckt, die dritte erst, nachdem wir unseren Kaffee getrunken hatte. Alle drei haben sich sehr darüber gefreut und haben ihren Engel auf dem Schreibtisch stehen, auch die Karten haben sie alle auf dem Schreibtisch stehengelassen. Das freut mich sehr, konnte ich doch damit einmal Danke für die Unterstützung sagen, die mir sehr gut tat und tut.