Freiwilligenmesse * Volunteers Fair

English summary please see below.  –  An diesem sonnigen Oktobersonntag zeigten die Nürnberger Freiwilligenorganisationen, Rettungsdienste und Wohlfahrtsverbände beim „Tag der offenen Tür“ der Stadt Nürnberg, was sie anbieten und können.

Die Bildergalerie – zum Vergrößern bitte anklicken – zeigt ein paar Eindrücke dieses Tages:

Zahlreiche Nürnberger und Gäste kamen in die Stadt und erlebten auf dem Hauptmarkt, was die Hilfs- und Rettungsorganisationen auf die Beine stellen: die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk, die Johanniter und die Malteser, der Arbeiter-Samariter-Bund und das Rote Kreuz. Sie zeigten, was sie bei Unfällen und Notfällen leisten und wie sie ihre Mitarbeiter*innen ausbilden, mit Herz-Druck-Massage – dazu die leibliche Versorgung mit Kürbissuppe und Bratwürsten. Der Sportservice der Stadt Nürnberg bot ein buntes Programm mit den Gruppen der Sport- und Kulturvereine.

Bei den Freiwilligen-Organisationen gab es ein Wiedersehen mit vielen guten Bekannten und Kennenlernen von kreativen neuen Projekten. Das Zentrum Aktiver Bürger wirbt für die Familienpatenschaften und berät Interessierte, ihr Engagement zu finden. Die Bürgerstiftung Nürnberg ermöglicht mit Bürgergeld und Engagement vielerlei Aktivitäten wie die öffentlichen Bücherschränke in den Stadtteilen. Der Verein Arbeiterkind begleitet Studierende auf ihrem Weg. „Refukitchen“ kocht „für ein neues Wir“.

Junges Engagement vertraten das Diakonische Werk Bayern und der Internationale Bund mit den Freiwilligendiensten, Caritas mit dem Projekt „You are not alone“, die Kontaktstelle der Selbsthilfegruppen, der Verein „Viva con Agua“ für den freien Zugang zu Wasser und die Initiative „You are here – refugees welcome“ mit ihren Medienprojekten.

Ein heiterer Sonntag mit vielen Perspektiven. Der Servicebetrieb Öffentlicher Raum präsentierte seine Fahrzeuge, Angebote und lud ein zur Besichtigung der „Mülloper“. Das Rathaus hatte seine Türen geöffnet für Besuche und Gespräche mit den Stadträt*innen.

Was wäre die Stadt ohne ihre 100.000 Ehrenamtlichen und Freiwilligen in allen Lebensbereichen? Das bürgerschaftliche Engagement möge weiter gut gedeihen. Einige Besucher*innen der Freiwilligenmesse suchen und finden ihren passenden Einsatz.

Vom Schönen Brunnen aus betrachtet die Figur des Sokrates das Markttreiben. Mich erinnert dies immer wieder gerne an die Idee, das Gefühl und den Gedanken des „Bürgerglücks“ (eudaimonia) im klassischen Philosophieren.

Beim „Tag der offenen Tür“ warben einige Angehörige für ihre Favoritin zur Wahl eines ganz besonderen Ehrenamtes, des nächsten Nürnberger Christkindles …

Das Beitragsfoto oben zeigt Mitarbeiterin Paula und Gast Bernd mit dem Kaffeebecher „Engagement to go“. Frischer Kaffee aus recycelten Kunststoff-Bechern, die Wegwerf-Behälter ersetzen. Danke schön für die Aufnahme von Thomas, unserem geschätzten Senior Advisor.

N Ü R N B E R G   E N G A G I E R T,  Freiwilligenmesse auf dem Nürnberg Hauptmarkt, Foto: Giulia Iannicelli, Stadt Nürnberg

 

Summary

This sunny sunday, the City of Nuremberg held its open day including the volunteering fair at the main market place and the City Hall. Service, welfare and rescue organizations demonstrated their work along with numerous young and elder volunteer initiatives.

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Volunteer

2017 Nuremberg International Human Rights Award: „Group Caesar“

Appreciation in English language please see below.  Die Jury des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises zeichnete in diesem Jahr die „Gruppe Caesar“ aus:

„Preisträger ist die Gruppe Caesar

Die Preisverleihung findet am Sonntag, den 24. September 2017, im Nürnberger Opernhaus statt. Die Jury begründete ihre Entscheidung folgendermaßen:

„Caesar“ ist der Deckname eines ehemaligen syrischen Militärfotografen, der über 50.000 Fotos aus dem Land gebracht hat, darunter 28.000 Bilder von Gefangenen, die in syrischen Gefängnissen durch Folter, Hinrichtungen, Krankheit, Unterernährung oder andere Misshandlungen getötet worden waren.

Nach Ausbruch des Bürgerkrieges 2011 hatte er den Auftrag, Leichen von syrischen Soldaten wie auch Oppositionellen zu fotografieren und diese Bilder systematisch zu archivieren, was inzwischen als „Bürokratie des Todes“ bezeichnet wird. Caesar litt massiv unter dem, was er täglich sah und erlebte; er kopierte die Bilder heimlich und schmuggelte sie mit Hilfe von Unterstützern aus dem Gefängnis und aus dem Land.

Im August 2013 verließ er Syrien mit seiner Familie und dem Vorsatz, die Verbrechen an den Gefangenen, die ihn nicht mehr losließen, an die Öffentlichkeit zu bringen. Im Januar 2014 wurden die Fotos im Internet veröffentlicht. Der im Januar 2014 erschienene Bericht einer Untersuchung, die von ehemaligen Chefanklägern internationaler Strafgerichte geführt wurde, bestätigte, dass Caesars „Beweise verlässlich waren und in jedem nachfolgenden Prozess ohne Risiko verwendet werden könnten“.

Der Leiter der Untersuchung, Desmond De Silva, beschrieb seinen Bericht als „einen rauchenden Colt“, als den Beweis für Morde in „industriellem Ausmaß“ durch das syrische Regime. Human Rights Watch bestätigte die Echtheit der Fotos in dem im Dezember 2015 veröffentlichten Bericht „Wenn die Toten sprechen könnten. Massenmorde und Folter in syrischen Gefängnissen“.

Die Jury spricht ihre Anerkennung auch der Entschlossenheit und Beharrlichkeit der investigativ tätigen französischen Journalistin Garance Le Caisne aus. Als diese Kenntnis von den Fotos erlangte, konnte sie nach monatelanger Recherche Kontakt zu Caesar aufnehmen, der sich nach anfänglichem Zögern aus Angst um seine eigene Sicherheit und die seiner Familie doch zum Interview bereit erklärte. Aus den Gesprächsmitschnitten und weiteren Interviews mit ehemaligen Häftlingen entstand das Buch „Codename Caesar. Im Herzen der syrischen Todesmaschinerie“. Caesar lebt heute versteckt in Nordeuropa und wird den Preis persönlich nicht entgegennehmen können.

Im syrischen Bürgerkrieg werden extreme Menschenrechtsverletzungen von allen Konfliktparteien begangen. Laut dem Bericht von Amnesty International vom August 2016 sollen allein in den syrischen Gefängnissen seit 2011 mehr als 17.700 Menschen getötet worden sein. In der Folter wird die Verletzlichkeit eines Menschen gezielt ausgenutzt in der Absicht, den Willen dieser Person zu brechen, um ihr dadurch Informationen abzupressen, sie zu demütigen, sie einzuschüchtern oder im schlimmsten Fall zu vernichten.

Folter und andere Formen grausamer und unmenschlicher Behandlung sowie Bestrafung sind in internationalen Menschenrechtsabkommen, etwa der Antifolterkonvention der Vereinten Nationen von 1984 vollständig und ausnahmslos verboten. Trotz der Ratifizierung durch 147 Staaten wird systematische Folter in mehr als 100 Ländern angewandt, vor allem in solchen, in denen Diktatoren oder autoritäre Regime herrschen.

Caesar und seine Kollegen wurden von dem Verlangen angetrieben, dafür zu sorgen, dass die dokumentierten Menschenrechtsverbrechen nicht straflos bleiben. Dafür nahmen sie große Gefahren auf sich. Mit der Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises an die Gruppe Caesar will die Jury auch an die Geschichte Nürnbergs als Wiege des modernen Völkerstrafrechts anknüpfen.“

Quelle:  https://www.nuernberg.de/internet/menschenrechte/jurybegruendung_caesar.html

Den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis 2017 nahm stellvertretend für den ausgezeichneten Fotografen und seine Gruppe die Journalistin Garance Le Caisne in Empfang. Wie die Presse berichtet, konnte der Fotograf einige Tage später einen Besuch in Nürnberg machen.

Bei der Friedenstafel im Anschluss an die Preisverleihung kommen viele Nürnberger zusammen auf dem Kornmarkt bei der „Straße der Menschenrechte“ und sprechen über die Preisverleihung. Die Fotografien der Gruppe Caesar wurden dazu in der Galerie Kreis ausgestellt.

Human Rights Watch hat in einer Studie die Fotografien als authentische Dokumente erkannt. Einige Angehörige der Folteropfer und Todesopfer haben ihre Verlorenen auf den Fotografien erkannt, können und werden strafrechtlich und völkerrechtlich vorgehen.

Einige Freunde sagten, die Aufnahmen erinnerten sie an die Fotografien der Opfer der Konzentrationslager. In der Ausstellung sehen wir ins Antlitz von gefolterten und gemordeten Menschen in Syrien, sehen die geschundenen Körper und lesen die Aussagen mehrer Angehöriger.

Le Caisne, Garance, Codename Caesar. Im Herzen der syrischen Todesmaschinerie, C. H. Beck Verlag:

http://www.chbeck.de/le-caisne-codename-caesar/product/16128742

https://www.nuernberg.de/internet/menschenrechte_e/jury_appreciation_caesar_e.html

2017 Nuremberg International Human Rights Award

The jury gave the following reasons for its decision:

“Caesar” is the code name of a former Syrian military photographer who brought over 50,000 photographs out of the country, 28,000 of which show detainees in Syrian prisons killed by torture, outright execution, disease, malnutrition or other ill-treatment.

After the start of the civil war in 2011, his task was to photograph the corpses of both dead Syrian soldiers and political opponents, and to systematically archive those photographs in what has been called a „bureaucracy of death“. Caesar suffered immensely, seeing and experiencing this every day; he secretly copied the images and, with the help of supporters, smuggled them out of the prison and out of the country.

In August 2013, he left Syria with his family with the intention of making public the crimes committed against the prisoners which kept haunting him. In January 2014, the photographs were published on the internet. The report of an enquiry led by three former chief prosecutors of international criminal tribunals published in January 2014 confirmed that Caesar’s „evidence was reliable and could safely be acted upon in any subsequent judicial proceedings“.

The chairman, Desmond De Silva, described his report as „the smoking gun“ showing evidence of „industrial-scale“ killing by the Syrian regime. Human Rights Watch confirmed the authenticity of the images in an 86-page report „If the Dead Could Speak. Mass Deaths and Torture in Syria’s Detention Facilities“ published in December 2015.

The jury also wishes to recognise the determination and tenacity of French investigative journalist, Garance Le Caisne. When she got to know about the photographs, after months of research she was able to contact Caesar who after hesitating at first, fearing for his own and his family’s safety, finally consented to be interviewed by her. The recordings of the conversation and of further interviews with former prisoners were the basis for the book „Opération César: Au coeur de la machine de mort syrienne“ (Operation Caesar. In the Heart of the Syrian Death Machine). Caesar now lives in hiding in Northern Europe and will not be able to receive the award in person.

In the Syrian civil war, extreme human rights violations have been committed by all sides of the conflict. Since 2011, according to the report by Amnesty International of August 2016, over 17,700 people are said to have been killed in Syrian prisons alone. Torture is the purposeful exploitation of the vulnerability of a human being, with the intention of breaking this person’s will and of extorting information in this way, of humiliating, intimidating and in the worst case eliminating this person.

Torture and other forms of cruel and inhumane treatment as well as punishment have been banned completely and without exception by international human rights agreements such as the Anti-Torture Convention of 1984. Although 147 states have ratified this convention, torture is still systematically used in over 100 countries, mainly in those where dictators or authoritarian regimes rule.

Caesar and his colleagues have been driven by a desire to ensure that there is no impunity for documented human rights crimes, incurring major risks. By awarding the Nuremberg International Human Rights Award to Group Caesar, the City of Nuremberg builds on its history as the cradle of modern international criminal law.