Heiße Sommer-Baustelle: Das Bardentreffen in Nürnberg

Das Nürnberger Bardentreffen begann am Freitag bei tropischen Temperaturen und blieb am Samstag von schwerem Wetter verschont. Heute, Sonntag, hören und schauen wir weiter.

Wie in den Vorjahren, gingen wir am Freitag mit den Kolleg*innen aus der letzten Sitzung vor den Sommerferien direkt zum Hauptmarkt, wo das südafrikanische Ensemble Ladysmith Black Mambazo mit wunderbarem Gesang, kraftvoll-feinen Harmonien und der Erinnerung an Nelson Mandela das World Music Festival eröffnete. Anschließend hörte ich Lalala Napoli auf dem Sebalder Platz: Amore, Sole e Liberta.

Das Konzert von Tiwayo am Samstag war so gut besucht, dass es kaum einen Stehplatz gab, sodass ich mich gerne nebenan in die Sebalduskirche setzte. Anschließend kam Niels Frevert auf den Platz. Bukahara bildete auf dem Hauptmarkt einen abendlichen Höhepunkt.

Die folgende Fotogalerie zeigt unter anderem Nürnberg als Baustelle, sowie die Figur des David am Schönen Brunnen, der uns mit seinen Psalmen als früher Barde zusingt. Das Grabmal des Stadtpatrons Sankt Sebald, vor 500 Jahren gestaltet von Peter Vischer, wurde kürzlich ökumenisch visitiert. Die Buchhandlung Korn & Berg am Hauptmarkt ist eine meiner Lieblings-Bücherfallen und gestaltet schöne Schaufenster, wie auch zum Bardentreffen.

Zum Vergrößern der Galerie bitte ein Bild anklicken …

Am Sonntag regnet es zwischendurch, es ist abgekühlt, doch das Bühnen-Programm kann weitergehen, unter anderem mit Buntspecht, und auch die Straßenmusiker*innen spielen fleißig, wie die Gruppe Sheynhoven mit Klezmer-Musik am Synagogen-Gedenkstein, unplugged wohltuend. Obwohl ihre Musik bestens an diesen Ort passt, müssen sie weiterziehen, weil die Spitalbrücke aus Sicherheitsgründen frei bleiben soll. Es sei dahingestellt, was die neuen Elektro-Roller für den Stadtverkehr bringen, die ein Verleih-Unternehmen seit Freitag in der Stadt aussetzt – einer hat sich ins Bild geschlichen.

Die Welt ist lauter geworden und mit ihr auch das Weltmusikfestival Bardentreffen. Bitte künftig halbe Lautstärke sowohl auf den Bühnen wie auf den Gassen und Plätzen! Dies würde nicht nur den differenzierenden Hör-Genuss ermöglichen wie auch die leiseren Zwischentöne zur Geltung kommen lassen. Ich möchte keine Ohren-Schützer tragen müssen, sondern mich am Rande immer gerne auch unterhalten mit alten Bekannten und lieben Freunden, die ich im Publikum unter den Barden treffe.

 

Weitere Fotos, die Bands mit ihren Seiten, Livestreams und das Programm für Sonntag finden sich bei der Stadt Nürnberg unter:

https://bardentreffen.nuernberg.de/

sowie beim Medienpartner Bayerischer Rundfunk, Studio Franken, hier:

https://www.br.de/franken/inhalt/kultur/bardentreffen-nuernberg100.html

Bayern2.de bringt Radio-Mitschnitte des Bardentreffens jeweils sonntags 28. Juli, 4., 11. und 18. August ab 21.05 Uhr.

Aus Nürnberg schöne Klänge und Grüße

von Bernd

 

Rückblicke hier im Blog:

Bardentreffen 2018

Bardentreffen 2017

Bardentreffen 2016

 

 

West-Östlicher Divan revisited

Goethes West-Östlicher Divan ist 200 Jahre alt. Der Bayerische Rundfunk sendet einen wunderbaren Beitrag zum Meisterwerk: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiotexte/radiotexte-1850.html

Die liebenswerten und denkwürdigen Verse des Gedicht-Zyklus sind ebenso bemerkenswert wie Goethes Noten und Abhandlungen dazu.

„Buch-Orakel

Der in jedem Tag düster befangene, nach einer aufgehellten Zukunft sich umschauende Mensch greift begierig nach Zufälligkeiten, um irgend eine weissagende Andeutung aufzuhaschen. Der Unentschlossene findet nur sein Heil im Entschluß, dem Ausspruch des Loses sich zu unterwerfen. Solcher Art ist die überall herkömmliche Orakelfrage an irgendein bedeutendes Buch, zwischen dessen Blätter man eine Nadel versenkt und die dadurch bezeichnete Stelle beim Aufschlagen gläubig beachtet. Wir waren früher mit Personen genau verbunden, welche sich auf diese Weise bei der Bibel, dem Schatzkästlein und ähnlichen Erbauungswerken zutraulich Rats erholten und mehrmals in den größten Nöten Trost, ja Bestärkung fürs ganze Leben gewannen.

Im Orient finden wir diese Sitte gleichfalls in Übung; sie wird Fal genannt, und die Ehre derselben begegnete Hafisen gleich nach seinem Tode. Denn als die Strenggläubigen ihn nicht feierlich beerdigen wollten, befragte man seine Gedichte, und als die bezeichnete Stelle seines Grabes erwähnt, das die Wanderer dereinst verehren würden, so folgerte man daraus, daß er auch müsse ehrenvoll begraben werden. Der westliche Dichter spielt ebenfalls auf diese Gewohnheit an und wünscht, daß seinem Büchlein gleiche Ehre widerfahren möge.“ Seite 193

Quelle siehe:

https://transitnuremberg.wordpress.com/2018/05/10/goethe-west-oestlicher-divan/

Gute Wünsche mit west-östlichen Grüßen

Bernd