Das Haus der Bayerischen Geschichte lädt zur Bayerischen Landesausstellung nach Ansbach ein, die bis zum 6. November 2022 zu sehen ist.
Wir hatten kürzlich einen Familienausflug mit dem Wochenend-Ticket der Bahn dorthin. Der Ort der Ausstellung in der Orangerie im Ansbacher Hofgarten ist herrlich, und die Bewirtung im Garten köstlich.
Die Ausstellung „Typisch Franken?“ ist bunt und vielfältig angelegt. Aus den Regierungsbezirken Ober-, Unter- und Mittelfranken gibt es zahlreiche Objekte zu schauen, zu lesen und zu hören. Bei der Radierung von Dürer, der Schnitzerei von Riemenschneider und Kulmbacher Brauerei-Devotionalien geht mir gleich das Herz auf.
Im Eingangsraum kommen fränkische Promis aus Sport oder Kabarett zu Wort, eine Drehscheibe zeigt Produkte wie Biere oder Turnschuhe. Dann dürfen wir die letzten beiden Markgrafen von Ansbach begrüßen, mitsamt ihren Gemahlinnen, Mätressen und Beschäftigungen. Angeblich hatten sie dort in die größte Falknerei in Europa. Der letzte Markgraf bekam anlässlich der Französischen Revolution Beklemmungen, dankte ab und verschwand.
Die weiteren Abteilungen der Ausstellung beziehen sich auf die verschiedenen Regionen und Konstellationen in Franken, als da wären das Fürstbistum Würzburg mit seinem Wappen des „Fränkischen Rechens“, das Bistum Bamberg und auch die fränkischen Reichsstädte wie Nürnberg, Weißenburg, Gunzenhausen, Dinkelsbühl und Rothenburg. Die Ausstellung besticht durch einige originale Kunstwerke und Dokumente, die sonst kaum zu sehen wären.
Nürnberg und Fürth werden dargestellt mit der vielfältigen jüdischen Geschichte, verschiedenen Gewerben wie der Spielzeug-Industrie, Goldschmiede und schließlich der nationalsozialistischen Judenverfolgung und den Nürnberger Prozessen. Warum waren die Nationalsozialisten gerade in protestantischen Gebieten so stark?
Die Bayerische Landesausstellung „Typisch Franken“? ist gouvernemental, herrschaftlich ausgerichtet. Die lustigen und letzten Markgrafen Friedrich und Alexander stehen voran. Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg trägt heute beide Gründungsfiguren in ihrem Namen, wovon die Ausstellung nicht allzuviel erzählt.
Die früheren Markgrafen Albrecht Achilles und Albrecht Alcibiades, welche die Stadt Nürnberg kriegerisch angegriffen und die Landschaft Nürnberg teilweise verheert hatten, verortet die Ausstellung in der Krypta von Sankt Gumbertus in Ansbach.
Wir betrachten und sehen in der Ausstellung nicht nur die Markgrafen, sondern – nach Napoleons Zuordnung Frankens zu Bayern – auch die bayerischen Könige und Prinzen des 19. Jahrhunderts herumwabern, sei es in Aschaffenburg oder im Kurbad Kissingen. Aus Bad Kissingen zeigt die Ausstellung die „Bismarck-Waage“, mit jährlichen Gewichtsangaben des Preußen bei seinen Kuren – sowie mit der Pistole eines damaligen Attentats. Einer meiner Gesprächspartner vermisste dazu nähere Angaben über die Motivation zu dem Anschlag.
Ja, es gibt auch andere Blicke in die fränkischen Landschaften wie das „Wirtshaus im Spessart“ – nach Wilhelm Hauff – mit Rückschau auf Räuberbanden und Filmausschnitten mit Liselotte Pulver.
Die „Frankenschau“ ist bis 6. November besuchbar, täglich von 9 bis 18 Uhr. Infos: https://www.hdbg.de/basis/ausstellungen/vorschau/typisch-franken.html
Was wäre „Typisch Franken“ aus Eurer Sicht? Fragt aus Nürnberg
herzlich Bernd
Das Beitragsfoto oben ist eine Momentaufnahme durch ein Galeriefenster. Wenn Aufnahmen in der Ausstellung erlaubt gewesen sein sollten, hätte ich im dunklen Raum kaum welche machen können. Hier im Tageslicht bebildert Ansbach, um Sankt Gumbertus und vor dem Schloss.





