So ein dreiviertel Stadtjubliäum wird hier nicht gefeiert? Ja, doch, mit der Verleihung der Bürgermedaille an fünf engagierte Bürgerinnen. Gleichwohl mache ich gerne darauf aufmerksam mit der Sigena-Urkunde von 1050 als erste urkundliche Erwähnung norenbercs.
Liebe Leserinnen und Leser,
im Ort und einigen, später eingemeindeten Ortsteilen gab es schon ältere Ansiedlungen, Bauten und Zeugnisse. Der Name norenberc, heute Nürnberg, taucht erstmals in dieser Urkunde auf:
„Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Heinrich von Gottes Gnaden erhabener Römischer Kaiser. Kund sei allen unsern christ-gläubigen Getreuen heute und künftig: Wir haben eine Leibeigene, Sigena mit Namen, die ein Edler namens Richolf uns an seiner Hand vorführte, und die ihm gehörte, frei gemacht, indem wir
aus ihrer Hand einen Pfennig mit unserer Hand herausschlugen. Wir haben sie ganz vom Joch der Hörigkeit gelöst, so dass die genannte Sigena von nun an das gleiche Recht und die gleiche Freiheit genießen soll, wie sie die übrigen von Königen oder Kaisern freigelassenen Leibeigenen bisher genossen haben. Und damit eine solche von uns geschenkte Freiheit nunmehr ihre dauerhafte und unverletzliche Rechtskraft behalte, haben wir diese Urkunde daraufhin ausgefertigt und durch Eindrücken unseres Siegels beglaubigen lassen.
(Siegel)
Ich, Winitherius, Kanzler, habe in Vertretung des Erzkanzlers Bardo die Richtigkeit geprüft. Gegeben am 16. Juli im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 1050, im 3. römischen Steuerjahr, aber im 21. Jahr der Einsetzung des Herrn Heinrich, des dritten Königs und des zweiten Kaisers dieses Namens, im 12. Jahr seiner Königswürde, im 4. Jahr seines Kaisertums. Geschehen zu Norenberc.
Glückauf ! Amen“
Quelle: Stadtarchiv Nürnberg, Signatur: A 1, 1050 Juli 16
Dort mit Abbildung, Originaltext in Latein sowie kurzer Erläuterung.
Über die Hörige, Leibeigene Sigena und den Edlen Richolf ist anderweitig nichts bekannt. Im Zuge der Romantisierung Nürnbergs im 19. Jahrhundert und seither ranken sich phantasievolle Liebesgeschichten um die beiden, zuletzt ein Musical. Seit der Wiederauffindung und Würdigung der Urkunde, insbesondere seit dem auf das Urkundendatum bezogenen Feier des Stadtjubiläums 1950 verbinden sich mit ihr die Vorstellungen von Befreiung, Freiheit und Emanzipation.
„Die Entlassung aus der Hörigkeit, die einer Art Nobilitierung gleichkam, stellte S. rechtlich dem Stand des Bittstellers gleich. Die Folgerung liegt daher nahe, daß Richolf mit diesem Schritt eine Eheschließung mit S. (oder die nachträgliche Legalisierung einer solchen) beabsichtigte, um den gemeinsamen Kindern das Schicksal der Unfreiheit zu ersparen und ihnen vielmehr eine gewisse Ebenbürtigkeit, wenn nicht gar Erbansprüche zu ermöglichen. Im Rahmen der 900-Jahr-Feier der Stadt N 1950 ((->) Stadtjubiläen) wurde S., deren Name hier wegen der Ersterwähnung N in der S.-Urkunde mit dem vermeintlichen ‚Stadtgründungstag‘ in Verbindung gebracht wird, als Symbol der Freiheit personifiziert. Nach ihr ist außer einer Straße im Stadtteil (->) Luitpoldhain das (->) S.-Gymnasium benannt, vor dem 1958 eine von dem Bildhauer Leo Smigay (1900-70) geschaffene Statue enthüllt wurde.“ Stadtlexikon Nürnberg
Bildergalerie: Nürnberg, Schöner Brunnen, Aufnahmen 2017










Soweit für heute. Feliciter – Glückauf! Herzliche Grüße aus Nürnberg sendet Bernd