Irvin D. Yalom und Marilyn Yalom: Unzertrennlich. Über den Tod und das Leben, Mit Fotos von Reid Yalom, Übersetzt und mit einem Nachwort von Regina Kammerer, btb Verlag, München 2021
Irvin D. Yalom and Marilyn Yalom, A Matter of Death and Life, Stanford University Press, Stanford, California, 2021
Wer von Irvin und Marylin Yalom gelesen hat, mag ihren gemeinsamen Weg mit diesem Buch teilen. Beide hochbetagt und schwer krank schreiben in den ersten zwei Dritteln des Bandes abwechselnde Kapitel von ihrem jeweiligen und wechselseitigen Befinden. Er hat einen Herzschrittmacher bekommen und sie ein Multiples Myelom mit kritischer Prognose. Sie sorgen sich umeinander und bereiten sich darauf vor, dass ihre 65-jährige Ehe enden wird.
Das Autorenpaar schildert die medizinischen Schritte – bei den besten Ärztinnen und Ärzten der Standford University – , viele Erinnerungen aus ihrem Leben von der jungen Liebe, akademischen Karrieren, liebevollen Begleitung durch ihre Kinder mit Familien sowie viele Freunde, während sie selbst schon viele Freundinnen und Kollegen verabschieden mussten.
„Wir geben ein feines Paar ab, ich mit meinem Myelom und er mit seinem Herzen und den Gleichgewichtsproblemen. Zwei alte Menschen beim letzten Tanz ihres Lebens.“ (Seite 71)
Er nimmt Abschied von seiner psychotherapeutischen Praxis und sie von ihrem literarischen Salon, der Bibliothek und dem Familienschmuck. All dies weckt Erinnerungen an Wegbegleiterinnen, Familiengeschichten, geteilte Lektüren und gemeinsame Reisen.
Die Chemotherapien und andere, die Diskussionen über Palliativ- und Hospizpflege und einen etwaigen assistierten Suizid. Dies muss man nicht mögen und teilen. Doch nach der neuen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes hierzulande und einer ausstehenden Gesetzgebung ist es womöglich hilfreich, Fallgeschichten von andernorts zu bedenken.
Irvin muss seine Marylin schließlich loslassen und verabschieden.








Im folgenden Drittel des Buches schildert Yalom seine Trauerarbeit. Nicht nur alte Kollegen und die ältere Tochter mit allen Geschwistern helfen, sondern auch die Alltagsroutine am Schreibtisch mit Korrespondenzen und der Rückblick in die eigenen Romanwerke mit auffrischenden Erinnerungen. Marylin hat ihm auf den Weg gegeben, dieses gemeinsame Buch zu beschließen.
Ein Spruch von Nietzsche kommt Yalom in den Sinn: „Viele sterben zu spät, und einige sterben zu früh … ’stirb zur rechten Zeit‘!“ (S. 21) Einen gewissen Trost sieht er darin, dass seine Frau kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie verstarb und darunter nicht mehr leiden musste, gewissermaßen zur „rechten Zeit“.
„Ich bin mir gewiss, dass ich dem Ende meines Lebens entgegen gehe, und doch empfinde ich seltsamerweise nur wenig Angst vor dem Tod – ich habe einen verrückten Anfall von innerer Ruhe. Wann immer ich nun über den Tod nachdenke, beruhigt mich der Gedanke, „zu Marilyn zu gehen“. Vielleicht sollte ich einen Gedanken, der so viel Balsam bietet, nicht bezweifeln, aber ich entkomme meinem eigenen Skeptizismus nicht. Was im Himmel bedeutet zu Marylin gehen am Ende wirklich?“ (S. 297)
Irvin D. Yalom wird am 13. Juni 2021 90 Jahre alt.
Vor drei Jahren hatte ich Yaloms Autobiografie vorgestellt, und in den Kommentaren dazu finden sich Lesefrüchte dazu:
Irvin D. Yalom: Wie man wird, was man ist * Becoming Myself: A Psychiatrist’s Memoir



























