Liebe Leser*innen,
lesen in der Universal-Bibliothek von Reclam. Herzlichen Glückwunsch zum 150. Geburtstag! Hier ein persönlicher Beitrag.
Philosophie
Mein Lieblingstext und meist gelesenes Reclam-Heft ist Platons Gastmahl – über den Eros. Wie Sokrates und seine Freunde über die Liebe philosophieren – bleibt unvergleichlich. Diotima in der Schilderung von Sokrates: „Wohlan, ich will es dir sagen. Es ist nämlich ein Zeugen im Schönen, sei es im Leibe, sei es in der Seele“. (S. 79)
Platons Schüler und Kritiker Aristoteles eröffnet seine Metaphysik: „Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen. Ein deutliches Zeichen dafür ist die Liebe zu den Sinneswahrnehmungen …“ (S. 17)
Einmal hatte ich an den Reclam Verlag geschrieben und gebeten, Aristoteles‘ „Über die Seele“ heraus zu bringen, und wenige Jahre später freute mich die Ausgabe in Griechisch und Deutsch:
„Weil man die Seele hauptsächlich durch zwei unterschiedliche Merkmale bestimmt, nämlich durch Ortsbewegung einerseits und Denken, Begreifen und eine Art von Wahrnehmen andererseits, so scheinen auch das Denken und Beurteilen so etwas wie Wahrnehmen zu sein … “ (S. 139)
In Diogenes Laertius „Leben und Lehre der Philosophen“ finden sich viele Erläuterungen. Cicero war ein weiteres Lese-Erlebnis; er hatte die griechischen Erfahrungen ins Römisch-Lateinische übertragen und überliefert. „Es gibt ja kein Gebiet, auf dem die menschliche Tugend dem göttlichen Walten näher kommt, als wenn es gilt, neue Staatswesen zu gründen oder das Bestehen bereits gegründeter zu sichern.“ (Über den Staat, S. 23)
Marc Aurel schreibt in seinen Selbstbetrachtungen unter anderem: „Wer aber eine vernünftige, welt- und staatsbürgerliche Seele hochachtet, der hat kein anderes Interesse mehr, dagegen sucht er seine eigne Seele in vernünftiger und gemeinnütziger Verfassung und Tätigkeit zu erhalten und hierzu auch den Mitgenossen seines Geschlechts behilflich zu sein.“ (S. 87)

Boethius‘ „Trost der Philosophie“ übersetzte das antike Denken ins Mittelalter: „Das vollkommene Gute aber, so haben wir aufgestellt, ist das vollkommene Glück. Das wahre Glück also muß notwendig in Gott, dem Höchsten, wohnen.“ (S. 103)
Was wären die Menschenrechte, unser Grundgesetz ohne die Menschenwürde, die Pico della Mirandola begründete: „Über die Würde des Menschen“: „Hochverehrte Väter! In den Schriften der Araber habe ich gelesen, der Sarazene Abdala habe auf die Frage, was sozusagen auf der Bühne dieser Welt als das Bewundernswerteste erscheine, geantwortet, nichts erscheine der Bewunderung würdiger als der Mensch.“ (S. 5)
So geht es weiter bei Jean-Jacques Rousseaus Gesellschaftsvertrag: „Ich bin als Bürger eines freien Staates geboren und Glied des Souveräns, und so schwach auch der Einfluß meiner Stimme auf die öffentliche Angelegenheiten sein mag – mein Stimmrecht genügt, mir die Pflicht aufzuerlegen, mich darin zu unterrichten.“ (S. 5)
Neuere Philosophie
Was hat die Universal-Bibliothek von Reclam alles zu bieten, darunter:
- Schillers „Briefe zur ästhetischen Erziehung des Menschen“
- Schellings „Über das Wesen der menschlichen Freiheit“
- Schleiermachers „Über die Religion“
- Marx und Engels „Manifest der kommunistischen Partei“
- Thomas Nagel „Was bedeutet das alles?
- Manuela Di Franco „Die Seele. Begriffe, Bilder und Mythen“
- und so weiter und so fort …
Literatur
- Ovid, Liebeskunst
- Apuleius, Das Mächen von Amor und Psyche
- Dante Alighieri, Die Göttliche Komödie
- Johannes von Tepl, Der Ackermann und der Tod
- Die Pegnitz-Schäfer. Nürnberger Barock-Dichtung
- Wackenroder / Tieck: Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders
- Johann Wolfgang Goethe, Faust
- Friedrich Hölderin, Hyperion
- Christoph Martin Wieland, Musarion
- Heinrich von Kleist, Michael Kohlhaas
Theater
Über die älteren und neueren Theaterstücke gibt es ebensoviel zu erzählen – Reclam sei Dank. Seien es die antiken Dramen von Sophokles, Euripides, Aischylos und Komödien von Aristophanes – oder Shakespeare und die Modernen.
"Chorführerin:
Der Ankömmlinge schützt, Zeus schaue herab
Auf unseren Zug, der zu Schiffe sich hob
Von den Dünen feinkörnigen Sands im Gemünd
Des Nils. Ist sein ja das Land auch
Aus Syriens Grenzen, aus dem wir entflohn,
Nicht daß blutige Schuld durch das Urteil des Volks
Die Heimat zu meiden uns zwänge,
Nein, aus eigenem Trieb, vor den Männern zu fliehn,
Verschmähend die Eh' mit den Söhnen Aigypts
Und ihr göttermißachtendes Treiben. ..."
Aischylos, Die Schutzsuchenden, S. 5
"Chor
Ungeheuer ist viel und nichts
Ungeheuerer als der Mensch. ...
Sophokles, Antigone, S. 18
"Die Welt scheint mir mitunter leer von Begriffen und das Wirkliche unwirklich. Dieses Gefühl der Unwirklichkeit, die Suche nach einer wesentlichen, vergessenen, unbenannten Realität, außerhalb derselben ich nicht zu sein glaube, wollte ich ausdrücken - mittels meiner Gestalten, die im Unzusammenhängenden umherirren und die nichts ihr eigen nennen, außer ihrer Angst, ihrer Reue, ihrem Versagen, der Leere ihres Lebens. Wesen, die in ein etwas hinausgestoßen sind, dem jeglicher Sinn fehlt, können nur grotesk erscheinen, und ihr Leiden ist nichts als tragischer Spott. Wie könnte ich, da die Welt mir unverständlich bleibt, mein eigenes Stück verstehen? Ich warte, daß man es mir erklärt.
Eugène Ionesco, Die Stühle. Der neue Mieter, Vorsatz
Reclam Leipzig
- Albrecht Dürer, Schriften und Briefe, Leipzig 1978: „Die groß Kunst der Molerei ist vor viel hundert Johren bei den mächtigen Künigen in großer Achtbarkeit gewesen, dann sie machten die fürtrefflichen Künstner reich, hieltens wirdig, dann sie achteten solche Sinnreichigkeit ein geleichförmig Geschöpf noch Gott. Dann ein guter Maler ist inwendig voller Figur, und obs müglich wär, daß er ewiglich lebte, so hätt er aus den inneren Ideen, dovan Plato schreibt, allbeg etwas Neus durch die Werk auszugießen.“ (S. 153)
- Griechische Atomisten. Texte und Kommentare zum materialistischen Denken der Antike, Leipzig 1977
- Sebastian Brant, Das Narrenschiff. Texte und Holzschnitte der Erstausgabe 1494 …, Röderberg Verlag, Frankfurt am Main 1980 (Reclam Leipzig 1980)
- und andere
Reclam Leipzig und Stuttgart schauen in die Welt

Annemarie Schimmel war die Übersetzerin und Interpretin der arabischen und und persischen Literatur. Mehr davon bietet Reclam mit Al-Farabi und Ibn Kaldun.
Und sonst?
- Das meist gebrauchte und zerfledderte ist bei mir das Fremdwörterbuch
- In den Arbeitstexten für den Unterricht, deutsche Kurzgeschichten für das 9.- bis 10 . Schuljahr, mochte ich Heinrich Böll, „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“
- Die „Leseliste“ bietet eine Anleitung mit 600 Titeln zum Weiterlesen
- Im Universal-Notizbuch sammle ich Herbstgedichte …
Gute Wünsche dem Reclam Verlag und eindrucksvolle Bildungs-Erlebnisse allen Leser*innen
Bernd Arnold
Reclam Verlag: https://www.reclam.de/
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