Irvin D. Yalom: Wie man wird, was man ist * Becoming Myself: A Psychiatrist’s Memoir

Irvin D. Yalom, Wie man wird, was man ist. Memoiren eines Psychotherapeuten, Aus dem Amerikanischen von Barbara v. Bechtolsheim, btb Verlag, München 2017, 448 Seiten. Verlags-Seite mit Leseprobe u. a.

Irvin D. Yalom, Becoming Myself: A Psychiatrist’s Memoir, Basic Books, New York 2017, 352 pages. Publisher’s Page

Yalom erzählt sein Leben, schreibt es auf. Er beginnt mit zwei thematischen Träumen, schildert seine Herkunft und Familiengeschichte von russischen Einwanderern, geboren 1931 und aufgewachsen in Washington D. C.

Buch-Blogger werden den Abschnitt mögen, wie sich Yalom als Junge in der Washington Central Bibliothek von A bis T durch das Regal der Biografien las. Zu seiner religiösen Sozialisation verfasst er ein „Selfie-Interview“ zur Bar Mizwa mit dem Jugendlichen und dem gereiften Dr. Yalom.

Dann lernen wir Irvins Jugendliebe Marilyn kennen, die er heiratet, und deren gemeinsamer Weg familiär und kreativ verlaufen wird.

Den Stress, dass die Medizinische Hochschule der George Washington University eine Zulassungsbeschränkung von fünf Prozent für jüdische Studierende hatte, konnte er mit Ängsten und Schlafstörungen meistern. Am Städtischen Krankenhaus von Boston behandelt Yalom seine erste psychiatrische Patientin. Das weitere Studium verbringt er an der John Hopkins University. Darauf folgend wird er zum Militärdienst am Tripler Krankenhaus in Honolulu auf Hawaii einberufen. Von dort aus wechselt er an die Standford University, wo er lange bleiben wird, und auf die er in seiner Autobiografie ein Loblied singt.

Irvin Yalom schildert eingehend seine psychoanalytische und psychotherapeutische Ausbildung und seine Ausrichtung auf die Gruppentherapie, zu der er in mehreren Auflagen ein erfolgreiches Lehrbuch beiträgt. In dem Abschnitt „Ankommen“ schildert er eine Ausbildungsgruppe am National Training Laboratory Institute mit einer Szene:

„Ich wendete mich der Gruppenleiterin zu und sprach sie direkt an: ‚Ich bin neugierig, was es mit Ihrem Schweigen auf sich hat. Könnten Sie etwas zu Ihrer Rolle hier sagen?‘ Diesmal antwortete sie (kurz): ‚Meine Rolle ist es, die Gruppenleiterin zu sein und alle Gefühle und Vorstellungen, die die Gruppenmitglieder über Führungspersönlichkeiten haben, zu ertragen.'“ (Seite 165)

Weiter erzählt und schreibt Yalom von den wechselhaften Entwicklungen der Gruppentherapie und den Encounter-Gruppen mit Forschungs-Semestern in London, Wien, Oxford und Paris sowie der Zuwendung zum Schreiben – „Jeden Tag ein bisschen näher“ – und seinem Konzept  der „Existenziellen Therapie“ mit der Neigung zur Philosophie:

„Ich befasste mich mit Nietzsche, Sartre, Camus, Schopenhauer sowie mit Epikur und Lukrez. Kant, Leibnitz, Husserl und Kierkegaard ließ ich beiseite, weil ihre Konzepte nach meinem Eindruck für die klinische Anwendung weniger relevant waren.“ (Seite 234)

„Ich sagte mir oft: die Realität des Todes mag uns zerstören, aber die Vorstellung vom Tod kann uns retten. Es bringt die Erkenntnis auf den Punkt, dass wir nur eine Chance zu leben haben und am Ende möglichst wenig bedauern sollten.“ (Seite 245)

Zwischendurch reist Yalom, reisen die Yaloms, nach Indien, Japan, China und Bali.

Alle bisherige Lebens- und Leserfahrungen Yaloms münden in sein Buch „Und Nietzsche weinte“. Wie er dies konstruiert und imaginiert ist eindrucksvoll. „Gides Aphorismus treu geblieben zu sein: Fiktion ist Geschichte, die sich hätte zutragen können.“ (Seite 319)

Im nächsten Roman, „Die Rote Couch“, geht Yalom weniger historisch als persönlich vor. Da hier in Blog-Diskussionen schon einmal von Camus die Rede war, hier Yalom zu einer Glas-Skulptur, „die einen Mann zeigt, der über den Rand einer Schale blickt, mit dem Titel ‚Sisyphus genießt den Ausblick.'“ (Seite 324)

Irwin Yalom erzählt von seinen weiteren Büchern, und Buchblogger werden seine Anmerkungen zu Verlagsverhandlungen oder Filmrechten schätzen. Zuletzt schildert Yalom eine Begegnung:

„Mir fiel eine Frau auf, von der ich zuerst meinte, es sei meine Mutter. Plötzlich spürte ich eine – neue – Welle von Zärtlichkeit für sie und fühlte mich schuldig, dass ich sie in diesem Buch kritisiert habe. Wie meine Mutter wirkte die Frau auf dem Foto ungebildet, verängstigt, fleißig und als versuche sie, zu überleben und ihre Familie in dieser merkwürdigen fremden Kultur aufzuziehen. Mein Leben ist so reich, so privilegiert und so sicher – wesentlich weil meine Mutter so hart arbeitete und so großzügig war. Ich saß da in diesem Deli und weinte, während ich in ihre Augen schaute und in die Augen all der anderen Flüchtlinge. Ich hatte ein Leben lang meine Vergangenheit erforscht, analysiert und rekonstruiert, aber ich merke jetzt, was für ein Jammertal noch in mir ist, das ich wohl nie werde bewältigen können.“ (Seite 442)

Autoren-Seite mit Biografie, Bibliografie u. a. : http://www.yalom.com/index.html

Dagmar Eger-Offel: Kohlhaas und der Sinn des Lebens. Wege der Philosophiegeschichte

Dagmar Eger-Offel, „Kohlhaas und der Sinn des Lebens. Wege der Philosophiegeschichte zur Suche nach dem Sinn“, Literatur im Fenster e. V., Isny im Allgäu 2017, ISBN: 978 – 3 – 00 – 057666 – 9

Philosophiegeschichte macht mich neugierig. Dagmar Eger-Offel überzeugt mit ihrer Geschichte der Philosophie in mehrerlei Hinsicht: eine Fülle an Primär-Literatur, die Leitfrage der Sinnsuche und die literarische Figur des Michael Kohlhaas auf der Suche nach dem Sinn.

„Auf der Suche nach der richtigen Frage

Warum stellen sich Menschen überhaupt die Frage nach dem Sinn?

Es gibt vielerlei Gründe, sich die Frage nach dem Sinn zu stellen. Meistens sind es Lebenskrisen oder schwierige Entwicklungsphasen, in denen das Leben im Gesamten auf eine Art Prüfstand gestellt wird.

Im Fall der Entstehung dieses Buches verhält es sich anders: für mich persönlich war es vielmehr noch einmal die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Philosophie, die mich dazu verleitete, die größte aller Fragen mit Hilfe einiger wichtiger Philosophen der Philosophiegeschichte anzugehen. …“ (Seite 8)

Nach den einleitenden differenzierten Fragen beginnt Dagmar Eger-Offel bei Platon und zieht dessen Dialoge Politeia und Phaidon heran. Sie bespricht das Höhlen-Gleichnis und den Philosophen-Königs-Satz, dessen Lehren der Seele, Bildung, Ideen und des Guten:

„Denn dass die Idee des Guten die größte Einsicht ist, hast du schon vielfältig gehört, als durch welche erst das Gerechte und alles, was sonst Gebrauch von ihr macht, nützlich und heilsam wird.“ (hier: Seite 23)

Anhand der Nikomachischen Ethik des Aristoteles vertieft Dagmar Eger-Offel die antike Tugend-Ethik und ihr Ziel der Eudaimonia:

„Also: die Glückseligkeit stellt sich dar als ein Vollendetes und sich selbst genügendes, da sie das Endziel allen Handelns ist.“ (hier: Seite 36)

Mit Epikur betrachtet die Autorin einen weiteren klassischen Philosophen, der aufgrund veränderter Rahmenbedingungen weniger auf die Politik – wie Platon und Aristoteles – gerichtet war, als auf den eigenen Garten:

„In ihr (der Vernunft, Anm. d. Verf.) wurzeln alle übrigen Tugenden. Sie ist es, die lehrt, dass man nicht freudvoll leben kann, ohne vernünftig, anständig und gerecht zu leben, aber auch nicht vernünftig, anständig und gerecht, ohne freudvoll zu leben.“ (Seite 48)

Für das christliche und mittelaterliche Zeitalter der Philosophiegeschichte liest und referiert Dagmar Eger-Offel „Das Seiende und das Wesen“ von Thomas von Aquin:

„Also ist offenbar, dass der Geist Form und Sein ist und dass er das Sein von einem ersten Seienden hat, das nur Sein ist, und dies ist die erste Ursache, die Gott ist.“ (Seite 64)

Nun folgt ein Sprung ins 18. Jahrhundert zu Jean-Jacques Rousseau:

„Wer vom Naturzustand spricht, der spricht von einem Zustand, der nicht mehr existiert, der vielleicht niemals existiert hat und wahrscheinlich nie existieren wird und der gleichwohl gedacht werden muss, damit man die Gegenwart richtig begreifen kann. “ (Seite 76)

Im folgenden Kapitel über Immanuel Kant gelingt Dagmar Eger-Offel eine  besonders lehrreiche Lektion, so über den Unterschied von transzendenten und transzendentalen Aspekten.

„Und das war zunächst einmal die Aufgabe der Kriktik der reinen Vernunft: herauszufinden, welche dem Menschen gegebenen „Anschauungsformen“ dem Denken zugrunde liegen, was sie ermöglichen und mit welchen Mitteln des Denkens man dann zu Erkenntnis gelangen kann. In welchem Zusammenhang steht nun die Wissenschaft mit der Sinnfrage? Eines der wichtigsten Ergebnisse: man kann zu Gott und zum ewigen leben zu keiner Erkennntis kommen. Nichts desto trotz gibt es begründete Verantwortung für ein moralisches Leben.“ (Seite 96)

Die Autorin zitiert die drei Versionen des kategorischen Imperativs und den Zweck des höchsten Guts der drei theoretischen Begriffe „Freiheit, Unsterblichkeit und Gott“ (Seite 100). Mit der Lektüre von Platon, Aristoteles und Kant stellt sich mir immer wieder die Frage nach der Tugend- und Neigungsethik oder der Pflichtenethik.

Eine andere Wendung nimmt das Philosophieren mit Arthur Schopenhauer:

„‚Die Welt ist meine Vorstellung‘ – dies ist eine Wahrheit, welche in Beziehung auf jedes lebende und erkennende Wesen gilt, wiewohl der Mensch allein sie in das reflektierte abstrakte Bewusstsein bringen kann; und tut er dies wirklich, so ist die philosophische Besonnenheit bei ihm eingetreten.“ (Seite 115)

„Darum ist das bloße Wollen und Können an sich noch nicht zureichend, sondern ein Mensch muss auch wissen, was er will, und wissen, was er kann: erst so wird er Charakter zeigen, und erst dann kann er etwas Rechtes vollbringen.“ (Seite 119)

Zu Nietzsche schreibt Dagmar Eger-Offel:

„Und das ist im Kern das, was wir Nietzsches Nihilismus verdanken: die schonungslose Offenlegung der Zwänge durch Konventionen.

Dabei entsteht eine Lebensphilosophie, eine Philosophie aus dem Leben und für das Leben. Für Nietzsche gibt es keine Autonomie der Theorie und er sagt von sich, er wisse nicht, was rein geistige Probleme seien. Das reine Theoretisieren habe immer eine ideologische Funktion, er habe immer mit seinem ganz Leib und Leben geschrieben.“ (Seite 133)

Martin Heidegger ist zwischenzeitlich kaum mehr „politisch korrekt“ – und ich bevorzuge seinen Kollegen Karl Jaspers – , doch bleibt wohl die Herausforderung, ihn und seine Denkewege vor, im und nach dem Nationalsozialismus zu verstehen.

„“Das ‚Wesen‘ des Daseins liegt in seiner Existenz.‘

Der Mensch kann nur das Wesen des Daseins der menschlichen Existenz erforschen. Dabei ist es nicht möglich, das Wesen des Daseins der ganzen Gattung zu erforschen, sondern nur des ‚jemeinigen‘ Daseins.

In seiner Einführung in die Metaphysik stellt Heidegger die Frage, warum überhaupt Seiendes ist und nicht vielmehr nichts als die tiefstmögliche Frage, weil sie Grund angibt für das Seiende. Und es ist gleichzeitig die ‚ursprünglichste‘ aller Fragen.“  (Seite 152)

„Wie lebt man ohne Sinn?“ fragt Dagmar Eger-Offel in ihrem Kapitel über Jean-Paul Sartre mit dem Untertitel „Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt.“

„Und das ist wahrscheinlich der mutigste Satz des Existenzialismus:

‚Der Mensch ist nichts anderes, als wozu er sich macht.'“ (Seite 162)

Sartres Zeitgenossen Albert Camus zitiert Dagmar Eger-Offel mit den berühmten Sätzen:

„Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“ (Seite 174)

„So leite ich vom Absurden drei Schlußfolgerungen ab: meine Auflehnung, meine Freiheit und meine Leidenschaft.“ (Seite 178)

Im Abschnitt über Theodor W. Adorno und seine „Negative Dialektik“ wird die Frage gestellt nach dem Sinn im Angesicht des „Dritten Reichs“.

„Es handelt sich um den Entwurf einer Philosophie, die nicht den Begriff der Identität von Sein und Denken voraussetzt und auch nicht in ihm terminiert, sondern die gerade das Gegenteil, also das Auseinanderweisen von Begriff und Sache, von Subjekt und Objekt, und ihre Unversöhntheit, artikulieren will.“ (Seite 187)  

Mit Hannah Arendt rundet Dagmar Eger-Offel ihre Philosophiegeschichte ab, und ich entnehme zwei Zitate:

„Was völlig aus dem Gesichtskreis neuzeitlicher Denkungsart verschwand, war die Kontemplation, das Anschauen oder Betrachten eines Wahren.“ (Seite 202)

„Niemals ist man tätiger, als wenn man dem äußeren Anschein nach nichts tut, niemals ist man weniger allein, als wenn man mit der Einsamkeit mit sich allein ist.“ (Seite 204)

In ihrem Epilog – „Zu guter Letzt“ – vermerkt Dagmar Eger-Offel unter anderem:

„Das, was sich über die Beschäftigung mit der Philosophie verändert, ist das Verhältnis, in das sich der Mensch zur Welt setzt. Und das Philosophieren über die unterschiedlichen Verhältnismäßigkeiten gleicht einem Prozess, der über Abwägen, über Konkretion, den Menschen in seiner Positionierung immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. Und das ist der Sinn eines solchen Philosophierens. Damit wäre jedenfalls meine große Frage des Anfangs zum Sinn der Philosophie beantwortet.“ (Seite 213)

Und Michael Kohlhaas aus Heinrich von Kleists Novelle? Dagmar Eger-Offel lässt ihn von Autor zu Kapitel den unterschiedlichen Gedanken und Ideen begegnen, imaginiert Gespräche der Philosophen mit Kohlhaas und deutet seine Perspektiven – was sich spannend liest wie ein Krimi. Gerechtigkeits-Terrorismus ist fehl am Platz, Gerechtigkeit bleibt Idee und Ziel.

Hiermit sei das Buch empfohlen, und wer schnuppern will, findet im Blog der Autorin kapitelweise Videos zum Betrachten und Hören.

Dagmar Eger-Offel: Kohlhaas und der Sinn des Lebens

 

Hannah Arendt: „Die Freiheit, frei zu sein“ * „The freedom to be free“

Hannah Arendts Essay „The freedom to be free“ (um 1967) wurde gerade aus ihrem Nachlass herausgegeben. Neue Leser*innen mögen sie entdecken, ältere werden den Text genießen. Auf 35 Seiten beschrieb Hannah Arendt hier ihr Verständnis der Freiheit anhand der Begriffsgeschichte und der modernen Revolutionen, insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Frankreich.

Der Begriff der Revolution stammt nicht aus der antiken Tradition des politischen Denkens, sondern aus der Astronomie, von Nicolaus Copernicus, „De revolutionibus orbium coelestium“, Nürnberg 1543. Zu übersetzen: „Über die Umschwünge der himmlischen Kugelschalen“, oder: „Über die Kreisbewegungen der Weltkörper“ (Einfügung des Autors nach: Lexikon der philosophischen Werke). Hannah Arendt berichtet, dass der Ausdruck Revolution beim Übergang in die politische Sprache zunächst ganz anders gebraucht wurde – im Sinne von Restauration, Wiederherstellung – so in England um und nach Cromwell bei der „Glorious Revolution“ 1688 (S. 13).

Auf den Punkt diskutiert Hannah Arendt die Ursachen, den Verlauf und die Folgen der Revolutionen in den USA und in Frankreich und zitiert die amerikanischen Verfassungsdenker ebenso wie die französischen Revolutionäre.

Condorcet wollte „das Wort revolutionär … mithin nur auf Revolutionen anwenden, die die Freiheit zum Ziel haben.“ (S. 11)

Nach John Adams sei die Revolution in den USA vollzogen gewesen, „bevor der Unabhängigkeitskrieg begonnen hatte“, weil die Bewohner der Kolonien „durch das Gesetz in Körperschaften zusammengefasst waren, die politischer Natur waren“, mit dem Recht, sich in „town halls zu versammeln, um dort über öffentliche Angelegenheiten zu beraten“; „in diesen Versammlungen der Städte und der ländlichen Bezirke wurde die Denkungsart des Volkes ursprünglich geformt“. (S. 18 – 19)

„Diese öffentliche Freiheit ist eine handfeste lebensweltliche Realität, geschaffen von Menschen, um in der Öffentlichkeit gemeinsam Freude zu haben – um von anderen gesehen, gehört, erkannt und erinnert zu werden. …“ (S.22)

„Die Männer der ersten Revolutionen wussten zwar sehr wohl, dass Befreiung der Freiheit voran gehen musste, waren sich aber noch nicht der Tatsache bewusst, dass eine solche Befreiung mehr bedeutet als politische Befreiung von absoluter und despotischer Macht; dass die Freiheit, frei zu sein, zuallererst bedeutete, nicht nur von Furcht, sondern auch von Not frei zu sein. …“ (S. 24)

In der Französischen Revolution, so Hannah Arendt, „stellte sich heraus, dass nicht nur die Freiheit, sondern auch die Freiheit, frei zu sein, stets nur das Privileg einiger weniger gewesen war. Aus dem gleichen Grund jedoch blieb die Amerikanische Revolution weitgehend folgenlos für das historische Verständnis von Revolutionen, während die Französische Revolution, die krachend scheiterte, bis heute bestimmt, was wir heute als revolutionäre Tradition bezeichnen.“ (S. 26)

In dieser Zusammenfassung kann nicht alles wiedergegeben werden, was Hannah Arendt zitiert von Machiavelli, Kant, Marx und Tocqueville, von Rosa Luxemburg und anderen, zu den deformierten oder abgebrochenen Revolutionen und ihren Folgen, – bemerkenswert ist ihre eigene Deutung von Geburt und Wiedergeburt, der Gebürtigkeit des Menschen:

„Und diese geheimnisvolle menschliche Gabe, die Fähigkeit, etwas Neues anzufangen, hat offenkundig etwas damit zu tun, dass jeder von uns durch die Geburt als Neuankömmling in die Welt trat. Mit anderen Worten: Wir können etwas beginnen, weil wir Anfänge und damit Anfänger sind.“ (S. 37)

In seinem lesenswerten Nachwort zur Entstehung und Argumentation des Essays sowie Hannah Arendts Denkweg führt Thomas Meyer „die Rede von der ‚Freiheit, frei zu sein'“, zurück auf Henry David Thoreau, aus: „Life without principle“, 1863, „Leben ohne Prinzipien“:

„Was bedeutet es, frei geboren zu sein, aber nicht frei zu leben? Welchen Wert hat politische Freiheit, wenn sie nicht Mittel ist für moralische Freiheit? Ist es die Freiheit, Sklave zu sein, oder die Freiheit, frei zu sein, auf die wir stolz sind?“ (S. 47)

Folgende Aufnahmen bitte anklicken zum Vergrößern:

Hannah Arendt: Die Freiheit, frei zu sein. Aus dem amerikanischen Englisch von Andreas Wirthensohn. Mit einem Nachwort von Thomas Meyer, dtv, München 2018

Verlag: https://www.dtv.de/buch/hannah-arendt-die-freiheit-frei-zu-sein-14651/

“The Freedom to Be Free”, in: Thinking Without a Banister. Essays in Understanding, 1953-1975, By Hannah Arendt. Edited by Jerome Kohn, Published by Schocken, Mar 06, 2018, ISBN 9780805242157

https://www.penguinrandomhouse.com/books/4712/thinking-without-a-banister-by-hannah-arendt/9780805242157/

 

Universales Lesen

Liebe Leser*innen,

lesen in der Universal-Bibliothek von Reclam. Herzlichen Glückwunsch zum 150. Geburtstag! Hier ein persönlicher  Beitrag.

     

Philosophie

Mein Lieblingstext und meist gelesenes Reclam-Heft ist Platons Gastmahl – über den Eros. Wie Sokrates und seine Freunde über die Liebe philosophieren – bleibt unvergleichlich. Diotima in der Schilderung von Sokrates: „Wohlan, ich will es dir sagen. Es ist nämlich ein Zeugen im Schönen, sei es im Leibe, sei es in der Seele“. (S. 79)

Platons Schüler und Kritiker Aristoteles eröffnet seine Metaphysik: „Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen. Ein deutliches Zeichen dafür ist die Liebe zu den Sinneswahrnehmungen …“ (S. 17)

Einmal hatte ich an den Reclam Verlag geschrieben und gebeten, Aristoteles‘ „Über die Seele“ heraus zu bringen, und wenige Jahre später freute mich die Ausgabe in Griechisch und Deutsch:

„Weil man die Seele hauptsächlich durch zwei unterschiedliche Merkmale bestimmt, nämlich durch Ortsbewegung einerseits und Denken, Begreifen und eine Art von Wahrnehmen andererseits, so scheinen auch das Denken und Beurteilen so etwas wie Wahrnehmen zu sein … “ (S. 139)

In Diogenes Laertius „Leben und Lehre der Philosophen“ finden sich viele Erläuterungen. Cicero war ein weiteres Lese-Erlebnis; er hatte die griechischen Erfahrungen ins Römisch-Lateinische übertragen und überliefert. „Es gibt ja kein Gebiet, auf dem die menschliche Tugend dem göttlichen Walten näher kommt, als wenn es gilt, neue Staatswesen zu gründen oder das Bestehen bereits gegründeter zu sichern.“ (Über den Staat, S. 23)

Marc Aurel schreibt in seinen Selbstbetrachtungen unter anderem: „Wer aber eine vernünftige, welt- und staatsbürgerliche Seele hochachtet, der hat kein anderes Interesse mehr, dagegen sucht er seine eigne Seele in vernünftiger und gemeinnütziger Verfassung und Tätigkeit zu erhalten und hierzu auch den Mitgenossen seines Geschlechts behilflich zu sein.“ (S. 87)

Boethius‘ „Trost der Philosophie“ übersetzte das antike Denken ins Mittelalter: „Das vollkommene Gute aber, so haben wir aufgestellt, ist das vollkommene Glück. Das wahre Glück also muß notwendig in Gott, dem Höchsten, wohnen.“ (S. 103)

Was wären die Menschenrechte, unser Grundgesetz ohne die Menschenwürde, die Pico della Mirandola begründete: „Über die Würde des Menschen“: „Hochverehrte Väter! In den Schriften der Araber habe ich gelesen, der Sarazene Abdala habe auf die Frage, was sozusagen auf der Bühne dieser Welt als das Bewundernswerteste erscheine, geantwortet, nichts erscheine der Bewunderung würdiger als der Mensch.“ (S. 5)

So geht es weiter bei Jean-Jacques Rousseaus Gesellschaftsvertrag: „Ich bin als Bürger eines freien Staates geboren und Glied des Souveräns, und so schwach auch der Einfluß meiner Stimme auf die öffentliche Angelegenheiten sein mag – mein Stimmrecht genügt, mir die Pflicht aufzuerlegen, mich darin zu unterrichten.“ (S. 5)

Neuere Philosophie

Was hat die Universal-Bibliothek von Reclam alles zu bieten, darunter:

  • Schillers „Briefe zur ästhetischen Erziehung des Menschen“
  • Schellings „Über das Wesen der menschlichen Freiheit“
  • Schleiermachers „Über die Religion“
  • Marx und Engels „Manifest der kommunistischen Partei“
  • Thomas Nagel „Was bedeutet das alles?
  • Manuela Di Franco „Die Seele. Begriffe, Bilder und Mythen“
  • und so weiter und so fort …

Literatur

  • Ovid,  Liebeskunst
  • Apuleius, Das Mächen von Amor und Psyche
  • Dante Alighieri, Die Göttliche Komödie
  • Johannes von Tepl, Der Ackermann und der Tod
  • Die Pegnitz-Schäfer. Nürnberger Barock-Dichtung
  • Wackenroder / Tieck: Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders
  • Johann Wolfgang Goethe, Faust
  • Friedrich Hölderin, Hyperion
  • Christoph Martin Wieland, Musarion
  • Heinrich von Kleist, Michael Kohlhaas

Theater

Über die älteren und neueren Theaterstücke gibt es ebensoviel zu erzählen – Reclam sei Dank. Seien es die antiken Dramen  von Sophokles, Euripides, Aischylos und Komödien von Aristophanes – oder Shakespeare und die Modernen.

"Chorführerin:
Der Ankömmlinge schützt, Zeus schaue herab
Auf unseren Zug, der zu Schiffe sich hob
Von den Dünen feinkörnigen Sands im Gemünd
Des Nils. Ist sein ja das Land auch
Aus Syriens Grenzen, aus dem wir entflohn, 
Nicht daß blutige Schuld durch das Urteil des Volks
Die Heimat zu meiden uns zwänge,
Nein, aus eigenem Trieb, vor den Männern zu fliehn,
Verschmähend die Eh' mit den Söhnen Aigypts
Und ihr göttermißachtendes Treiben. ..." 
Aischylos, Die Schutzsuchenden, S. 5

"Chor
Ungeheuer ist viel und nichts
Ungeheuerer als der Mensch. ...
Sophokles, Antigone, S. 18
"Die Welt scheint mir mitunter leer von Begriffen und das Wirkliche unwirklich. Dieses Gefühl der Unwirklichkeit, die Suche nach einer wesentlichen, vergessenen, unbenannten Realität, außerhalb derselben ich nicht zu sein glaube, wollte ich ausdrücken - mittels meiner Gestalten, die im Unzusammenhängenden umherirren und die nichts ihr eigen nennen, außer ihrer Angst, ihrer Reue, ihrem Versagen, der Leere ihres Lebens. Wesen, die in ein etwas hinausgestoßen sind, dem jeglicher Sinn fehlt, können nur grotesk erscheinen, und ihr Leiden ist nichts als tragischer Spott. Wie könnte ich, da die Welt mir unverständlich bleibt, mein eigenes Stück verstehen? Ich warte, daß man es mir erklärt.
Eugène Ionesco, Die Stühle. Der neue Mieter, Vorsatz

 

Reclam Leipzig

  • Albrecht Dürer, Schriften und Briefe, Leipzig 1978: „Die groß Kunst der Molerei ist vor viel hundert Johren bei den mächtigen Künigen in großer Achtbarkeit gewesen, dann sie machten die fürtrefflichen Künstner reich, hieltens wirdig, dann sie achteten solche Sinnreichigkeit ein geleichförmig Geschöpf noch Gott. Dann ein guter Maler ist inwendig voller Figur, und obs müglich wär,  daß er ewiglich lebte, so hätt er aus den inneren Ideen, dovan Plato schreibt, allbeg etwas Neus durch die Werk auszugießen.“ (S. 153)
  • Griechische Atomisten. Texte und Kommentare zum materialistischen Denken der Antike, Leipzig 1977
  • Sebastian Brant, Das Narrenschiff. Texte und  Holzschnitte der Erstausgabe 1494 …, Röderberg Verlag, Frankfurt am Main 1980 (Reclam Leipzig 1980)
  • und andere

Reclam Leipzig und Stuttgart schauen in die Welt

Annemarie Schimmel war die Übersetzerin und Interpretin der arabischen und und persischen Literatur. Mehr davon bietet Reclam mit Al-Farabi und Ibn Kaldun.

Und sonst?

  • Das meist gebrauchte und zerfledderte ist bei mir das Fremdwörterbuch
  • In den Arbeitstexten für den Unterricht, deutsche Kurzgeschichten für das 9.- bis 10 . Schuljahr, mochte ich Heinrich Böll, „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“
  • Die „Leseliste“ bietet eine Anleitung mit 600 Titeln zum Weiterlesen
  • Im Universal-Notizbuch sammle ich Herbstgedichte …

Gute Wünsche dem Reclam Verlag und eindrucksvolle Bildungs-Erlebnisse allen Leser*innen

Bernd Arnold

 

Reclam Verlag: https://www.reclam.de/

 

Beautiful Fountain – Schöner Brunnen

In the Old Town of Nuremberg one of my beloved sights is the Beautiful Fountain at the Main Market Place. The medieval Fountain had been restored for quite a while recently, and a sunny day gives the opportunity to take some fresh photographs of it. Among fourty sculptures, in the first line we find the representatives of the seven liberal arts and philosophy:

  •  Donatus: Grammar
  •  Cicero: Rhetoric
  •  Aristoteles: Dialectic
  •  Nikomachus: Arithmetic
  •  Euklid: Geometry
  •  Ptolemaeus: Astronomy
  •  Pythagoras: Music
  •  Socrates: Philosophy.

Please click at anyone for the picture gallery:

Along with the restoration, not only the static of the fountain was secured and the colours have been refreshed, but also the well was set in function again. In medieval times, the fountain had an important role in water supply. In a transferred sense, the water well symbolizes the well of wisdom as it was and still may be found through philosophy.

If you ever come to see Nuremberg, take a look at the Beautiful Fountain. Blog followers are kindly invited to share a philosophical guided tour and their reflections.

 

 

Deutschstunde – German Lesson

An der heutigen Deutschstunde will ich Euch teilhaben lassen. Readers in English language please see down below.
Herr A. J. sprach an, dass er gestern eine erneute Duldung für drei Monate bekommen hat. Derzeit hat er einen Deutschkurs, und wir wiederholten und ergänzten seinen Schreibblock:
„Sein Nachbar muss zurück nach Afghanistan
Die Polizei ist gekommen
Sie hat ihn abgeholt
Die Polizei hat seinen Nachbarn nach München gebracht
Es gab eine Bomben
explosion in Kabul
Viele Menschen wurden getötet oder verletzt
Es gab Viele Tote und Verletzte“
Wir wiederholten den Text, die Sätze und Wörter mit Aussprache. Herr A. J. erzählte weiter – hier in meiner Formulierung und Wiedergabe:
„Das Flugzeug ist nicht abgeflogen.
Die Abschiebung ist ausgesetzt.
Der Nachbar ist zurück gekommen.“

 

Fotos zum Vergrößern anklicken.

English version:
At todays German Lesson, Mister A. J. told that his temporary suspension of deportation (Duldung) was prolongued for three months. He attends a German class, and we repeated his lesson and notices:
„His neighbour has to go back to Afghanistan
Police came
and took him away
Police took his neighbour to Munich
There was a bomb
explosion in Kabul
Many people were killed or hurt
There were many deads and injured“
Repeating the text, sentence and words with pronunciation, Mister A. J. continues the story – here in my words:
„The plane did not start off
The deportation was cancelled
The neighbour came back“

Pulse of Europe

Am Sonntag gab es wieder die Möglichkeit, Pulse of Europe  (Version in English language available there) – kennen zu lernen, die Bürgerinitiative für Europa. Sie ist in vielen Ländern und Städten tätig und versammelt dabei zahlreiche Bürger*innen, die sich für die europäische Idee sowie für friedliche und zivile Zusammenarbeit engagieren:

Unser Ziel und Beitrag

Wir sind überzeugt, dass die Mehrzahl der Menschen an die Grundidee der Europäischen Union und ihre Reformierbarkeit und Weiterentwicklung glaubt und sie nicht nationalistischen Tendenzen opfern möchte. Es geht um nichts Geringeres als die Bewahrung eines Bündnisses zur Sicherung des Friedens und zur Gewährleistung von individueller Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtssicherheit.

Die Fotos der Galerie durch Anklicken vergrößern.

In Nürnberg trafen sich ein paar Hundert Teilnehmer*innen an der Lorenzkirche. Zunächst schwiegen wir eine Minute zur Anteilnahme für die Opfer des Terrroranschlags in London. Nachher sprach dazu ein britischer Redner. Die Pfarrerin von St. Lorenz erläuterte an diesem Pfingstsonntag, wie der Geist sprachliche Grenzen überwindet zu einer Verständigung – gerade auch im ökumenischen Sinne.

Die Initiatoren trugen den Offenen Brief der Initiative an Europäische Politiker vor, nachzulesen auf der Internet-Seite. Engagierte trugen zehn Thesen zu Europa vor, andere meldeten und kommentierten Nachrichten aus der europäischen Politik der letzten vier Wochen.

Mehrere Sprecher*innen kritisierten die Polizei-Aktion zur Abschiebung eines afghanischen Schülers aus seiner Schulklasse im Nürnberger Berufsschulzentrum vor einigen Tagen mit klarer Unterstützung der Versammlung.

Eine Sängerin gab den Ton an zu Carols Kings „You’ve got a friend“. Die Teilnehmer*innen bildeten ein Ypsilon als Buchstaben zu der europäischen Foto- und Filmaktion „We say hello – don’t say goodbye“ zum Beatles-Song „Hello, Goodbye“ in bezug auf den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union und die entsprechenden Verhandlungen.

Schließlich sangen wir die Ode an die Freude von Ludwig van Beethoven mit drei Versen von Friedrich Schiller – die Europa-Hymne. Eine Menschen-Kette zu den Tönen des Pulsschlages oder Herzschlages rundete die Versammlung ab.

Hier erinnere ich mich, wie wir Anfang der achtziger Jahre Woche für Woche freitags bei St. Lorenz einen „Schweigekreis für den Frieden“ bildeten. Der Protest richtete sich gegen die Nachrüstung mit den Mittelstreckenraketen. Die Friedensbewegung konnte nicht verhindern, dass sie aufgestellt wurden, hat wiederum mit ihrem Einsatz wesentlich dazu beigetragen, dass die betreffenden INF-Verhandlungen dazu führten, dass diese Waffen wieder abgezogen wurden. So lernte ich, dass Bürger-Engagement wirkt und mit entscheidet.

Den Initiator*innen von Pulse of Europe, aktiven und engagierten Teilnehmer*innen wünsche ich international, europäisch, bundesrepublikanisch und lokal in Nürnberg entsprechende Bildungserlebnisse, weiterhin viel Zuspruch, Gehör, Resonanz und Erfolg auf diesem Weg.

 

http://pulseofeurope.eu/

 

Freiheit. Schüleraufsatz in einer Willkommensklasse

Freedom. Please notice the blog of Emmanuelle Chaze in English language, link see below.

„Freiheit

Freiheit ist ein Begriff, der sich eine Meng Bedeutungen hat. Freiheit ist eine große Welt, die viele Teile enthält.

Freiheit sollte sich überall befinden, in jedem Land, jedem Haus und jeder Familie, einfach auf der ganzen Welt. Aber heutzutage hat die Freiheit ihre Bedeutung verloren. Die Starken regeln die Schwachen, die Reichen überfahren die Armen und, Präsidente töten ihre Völker. Warum!! gibt es einen grund? Weil einer Seine Meinung sagte? Oder velleicht weil einer sich beschwerte weil er Geld braucht um seine Kinder zu füttern oder weil einer andere glaben hat!? gibt mir einen überzeugenden Grund! . Ein Kind wird getötet, weil sein Vater nicht zur armee ging? Was ist seine Schuld ?!! . Jugendliche sterben, weil sie demonstriet haben. Wo ist die Freiheit? warum können wir sie nicht einfach habt haben?? diese frage stellt sich in vielen Ländern aber ins besondere Syrien. Ich würde dem Syrischen Volk, den Kindern in Syrien und in allen anderen ungerechten Ländern.“

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Diesen Text sendet Emmanuelle Chaze in ihrem Blog:

https://berlinerdiary.com/2016/12/15/welcome-class-december-15th-2016/

 

 

Stoff zum Nachdenken – Stuff to think about

For an English version of the Nuremberg Human Rights Award please see here: https://www.nuernberg.de/internet/menschenrechte_e/amin_e.html

„Internationale Textilausstellung zur Unterstützung der Arbeit des Nürnberger Menschenrechtspreisträgers 2015 Amirul Haque Amin“ – im Historischen Rathaus Nürnberg, Ehrenhalle bis 25. September 2016.

Heidi Drahota, Stoff zum Nachdenken„Bei einer Mitmachaktion initiierte Heidi Dahota die Entstehung dieses Wandbildes. Sie forderte [die] Nürnberger Bürgerschaft auf, ein Stückchen Stoff mitzubringen und zu einem großen Ganzen beizutragen. Als Symbol für die Unterstützung des Preisträgers und um zum Nachdenken zu bewegen war der Sinn. Jeder nähte seinen Stoff selbst an. Die Künstlerin fertigte daraus dieses Textilbild und bestickte es mit den Statements der Teilnehmenden.“

„Amirul Haque Amin ist Präsident und Mitbegründer der National Garment Workers Federation (NGWF – Nationale Gewerkschaft der Textilarbeiter), der größten Gewerkschaft in Bangladesch. Die NGWF mit Hauptsitz in Dhaka engagiert sich seit 1984 für die Rechte und Menschenwürde der Arbeiter in der exportorientierten Bekleidungsindustrie von Bangladesch.

Amin verlangt bessere Arbeitsbedingungen, insbesondere eine gerechte Bezahlung und ein sicheres Arbeitsumfeld. Als Gewerkschaft setzt sich die Organisation für eine Stärkung der Gewerkschaftsbewegung ein und protestiert gegen die katastrophalen Bedingungen in der Bekleidungsindustrie in Bangladesch.

Eines der schlimmsten Ereignisse war der Einsturz des Rana Plaza Gebäudes in Dhaka am 24. April 2013. Bei diesem Unglück kamen 1.135 Menschen ums Leben, über 2.000 Arbeiterinnen und Arbeiter wurden verletzt. Viele der Modeunternehmen, die ihre Produkte in dieser Fabrik fertigen ließen, haben bislang keine Entschädigungszahlungen geleistet.

Bereits vor dieser Katastrophe hat die NGWF die großen Modeunternehmen immer wieder aufgefordert, eine Vereinbarung über Brandschutz und Gebäudesicherheit zu unterzeichnen. Tatsächlich wurde diese Vereinbarung 2012 verfasst, doch weigert sich bis jetzt die Mehrheit der Unternehmen, sie zu unterzeichnen.“  Gekürzter Text aus:

https://www.nuernberg.de/internet/menschenrechte/amin.html

Yvonne Berther, Schweiz, "Wissen - Gewissen - Gewinn"

 

 

Yvonne Berther, Schweiz:

„Wissen – Gewissen – Gewinn“.

 

Die Ausstellung im Nürnberger Rathaus empfehle ich nachhaltig und wärmstens. Das Thema „faire Textilien“ bewegt mich seit längerer Zeit. Ich erinnere mich an die Friedenstafel im Zusammenhang mit der Verleihung des Nürnberger Menschenrechtspreises an Amirul Haque Amin vor einem Jahr. Damals war ich als Freiwilligenkoordinator im Transit Camp im Stadionbad tätig. Wer wundert sich über ankommende Geflüchtete aus Bangladesh?

Die Initiatorin der Ausstellung, Heidi Drahota, näht und filzt unter:  http://taschenkind.de/-Neues.html

 

Bildung begleiten

Viele Freiwillige engagieren sich für Schülerinnen und Schüler. Ihre Initiativen trafen sich bei einem Fachtag am 25. November zu Information und Austausch. Das „Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern e. V. “ und „ROCK YOUR LIFE! Metropolregion Nürnberg e. V.“ hatten dazu in den Eppelein-Saal der Jugendherberge auf der Nürnberger Burg eingeladen.

Claudia Leitzmann vom Landesnetzwerk, Jan Boskamp von ROCK YOUR LIFE! sowie Julia Schermann vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend begrüßten die etwa 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Über die Möglichkeiten und Grenzen von Patenmodellen sprach Mitra Sharifi-Neystanak von der Universität Bamberg. Das Engagement vieler Ehrenamtlicher würdigte sie mit Anerkennung für die vielfältigen und nachhaltigen Begegnungen bei der Persönlichkeitsbildung, der Sprach- und Leseförderung, Hausaufgabenbetreuung und Übergangsbegleitung für Kinder und Jugendliche mit oder ohne Migrationshintergrund. Als Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft Ausländer-, Migrations- und Integrationsbeiräte Bayerns“ (AGABY) kritisierte sie die anhaltende Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im Schulsystem.

In einer Gesprächsrunde stellten Vertreterinnen und Vertreter von „Balu und Du“, „Mentor Lesespaß Coburg“, „ROCK YOUR LIFE!“ und „wings to school“ ihre Initiativen vor, erläuterten ihr Vorgehen und die Herausforderungen bei der Organisation, Finanzierung sowie der Kooperation mit den Schulen.

Für weiteren Input und Austausch sorgten zwei Runden von sechs Workshops über Fundraising, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, Gewinnung von Freiwilligen, Anerkennungskultur für Ehrenamtliche, Mentoring-Qualifizierung sowie Wirksamkeitsmessung und Evaluation.

In der bundesweiten Initiative „ROCK YOUR LIFE!“ engagieren sich Studierende als Mentorinnen und Mentoren für Schülerinnen und Schüler mit beträchtlichem Einsatz. Sie bezeichnen sich als „Bewegung für mehr Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Im Workshop Mentoring-Qualifizierung präsentierte Madlen Petzsche das Trainings-Konzept von „ROCK YOUR LIFE!“

Besonders gut gefallen mir die Fragen, mit denen sich die Studierenden, Schülerinnen und Schüler in ihren Trainings und Gesprächen auseinandersetzen:

• „Was würden deine Freunde sagen, sind deine größten Talente?“
• „Was würdest du machen, wenn es sicher nicht schief gehen würde?“
• „Was fällt dir so leicht, dass du es großzügig geben kannst, immer und immer wieder?“
• „Was würdest du machen, wenn Geld keine Rolle spielen würde?“
• „Warum bist du hier?“
• „Wofür willst du bekannt sein?“
• „Wofür danken dir die Menschen oft?“

Unterstützt wurde der Fachtag von der „Aktion zusammen wachsen – Bildungspatenschaften stärken, Integration fördern. Sie wurde 2008 von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration ins Leben gerufen und wird gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend getragen.

Auf der Internet-Seite der „Aktion zusammen wachsen“ finden sich umfangreiche Informationsmaterialien sowie die bundesweite Projekt-Datenbank. Hier können sich interessierte Initiativen und Organisationen eintragen lassen.

Wer sich freiwillig engagieren möchte als Lesefreundin, Hausaufgabenbetreuer oder Ausbildungsbegleitung findet hier eine passende und gute Adresse in der jeweiligen Nähe.

Zum Abschluss verabredeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachtags den weiteren Austausch, Vernetzung und Fortbildungen sowie gemeinsame Interessenvertretung.

Danke für aufgefrischte ältere Kontakte, erfrischende neue Begegnungen, aktuelle Informationen und weiterführende Perspektiven.

Hier finden Sie:

  • Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern e. V.

http://www.lbe.bayern.de/index.php

  • ROCK YOUR LIFE! MENTORING

https://www.rockyourlife.de/

  • Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns

http://www.agaby.de/

  • Aktion zusammen wachsen

http://www.aktion-zusammen-wachsen.de/startseite.html